MECKLENBURG-VORPOMMERN Merkwürdiger Termin
Arbeits- und Bauminister Helmut Holter (PDS) verstrickt sich in der Affäre um seinen Stasi-belasteten Referatsleiter Ronald Klinger (SPIEGEL 37 und 47/2001) immer weiter in Widersprüche. In dem am 16. November verfassten Brief, mit dem er Klinger den Rauswurf wegen seiner Tätigkeit als Stasi-IM mitteilt, schreibt Holter: »Anlässlich eines ... Gesprächs mit mir persönlich am 03.09.2001, bei dem ich mir über das Maß Ihrer Verstrickung ergänzend Aufschluss verschafft habe, sind Tatsachen, die für eine Entlastung sprechen, nicht zu Tage getreten.« An diesem Tag aber war Klinger gar nicht im Ministerium, sondern auf Dienstreise in Flensburg. Auch im persönlichen Terminkalender des Ministers (siehe Ausriss) findet sich keinerlei Eintragung über das angebliche Personalgespräch. Holters Sprecher erklärte, der Minister habe »ab 19.30 Uhr, nach Klingers Rückkehr von der Dienstreise«, mit ihm gesprochen. Klingers Anwalt, der ehemalige DDR-Innenminister Peter-Michael Diestel, vermutet dagegen, dass Holter »mit diesem frei erfundenen Gespräch« davon ablenken wolle, dass er schon vor Klingers Einstellung über dessen Stasi-Vergangenheit im Bilde gewesen sei.