Mickey Mouse diskriminiert - DER SPIEGEL
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Briefe

Mickey Mouse diskriminiert
• aus DER SPIEGEL 47/1983
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mickey Mouse diskriminiert

(Nr. 45/1983, SPIEGEL-Titel: Redakteur Michael Naumann über Ronald Reagans kalifornisches Weltbild) *

In der letzten Zeit ist leider immer häufiger zu bemerken, daß leichtfertig eine kulturelle Parallele zwischen Mickey Mouse und Ronald Reagan herbeizitiert wird. So auch geschehen auf Ihrem jüngsten Titelblatt. Ich verwahre mich gegen solche Vergleiche und fordere höflichst, keine weitere Diskriminierung der Mickey Mouse zuzulassen.

Zürich PAVEL MÖLLER-LÜCK Schauspieler

Im Fernsehen sah ich einen Ausschnitt aus einer Reagan-TV-Ansprache vom 27. Oktober 1983. Den Wortlaut dieser Rede ließ ich mir vom Amerikahaus in Hamburg schicken. Jetzt weiß ich, was ich von der US-Regierung zu halten habe! Reagan sagte:

»We are not somewhere in the world protecting someone else's interests, we are there protecting our own.«

Die Übersetzung: »Wir sind nicht irgendwo in der Welt, um die Interessen anderer zu schützen. Wir sind dort, um unsere eigenen zu schützen.«

Stelle (Nieders.) ECKARD WENDT

Verleiht ihm einen Nobelpreis, oder gebt ihm die Hauptrolle als Captain vom Traumschiff, überlaßt ihm zehn Soldaten zum privaten Gebrauch, schenkt ihm die Spielwarenabteilung von Macy's, dazu ein paar hübsche Feindbilder; tut alles, damit er lacht - aber, bitte, nehmt ihn nicht ernst, und führt den alten Mann langsam (Vorsicht! Stufe!) aus dem Weißen Haus.

Werl (Nrdrh.-Westf.) JOACHIM BURGHAUS

Wieder einmal gereicht es uns allen zur Ehre, daß ein zielsicherer Cowboy ein Weltzentrum des Bösen (Grenada) ausgemacht und beseitigt hat. Wohin wird nun sein Adlerblick schweifen?

Gefahr ist dabei ja wohl nicht für Verbrecher a la Baby Doc Duvalier in Haiti (schon Papa Doc war ein guter Freund), Rios Montt in Honduras, Pinochet in Chile oder Korruptionsmeister a la Mobutu in Zaire, denn schließlich gibt es gute Böse (kapitalistische) und böse Böse (Sozialisten, Marxisten und ähnliche).

Wehe nur dem Eiland, das irgendwo in der Welt einen Flugplatz mit längerer Landepiste baut: Als erste kommen dann die roten Subversiven und als zweite die Marines. Und so wird die Welt befreit.

Armes Deutschland, erst verkohlt, dann verreagant, und dann?

Freiburg HENNING WELLBROCK Hauptmann d. R., Stadtrat

Wer heute im Bann mittelalterlichen Hexenwahns eine Hexenverbrennung ins Werk zu setzen versuchte, ein heutzutage gewiß nur als krankheitsbedingt deutbarer Tatbestand, würde in einer Anstalt sichergestellt.

Wer als Chef der ersten Supermacht der Erde nach Hiroschima mit dem Wort »decapitate«, enthaupten, in der Bedeutung atomarer Zerstörung der anderen Supermacht manipuliert - eine solche Persönlichkeit ist nicht anders einzuordnen als der erstgenannte Fall.

Gräfelfing (Bayern) DR. RENATE RUHENSTROTH

Sie schreiben, Ronald Reagan sei weder dumm noch betrügerisch. Die von ihm genannten Gründe für das Grenada-Abenteuer

sind also die Wahrheit, nichts als die reine Wahrheit?

Vor allem aber der schmalzogene Schmerz, der seine Worte umhüllte - das war leuchtende Redlichkeit, ja?

Gummersbach (Nrdrh.-Westf.) URSULA MÄRKER

BRIEFE

Verachtende Gesinnung

(Nr. 44/1983, SPIEGEL-Titel: Ȇberfall auf Grenada") *

Wenn die US-Invasion in Grenada ursächlich dazu beigetragen haben sollte, daß die Bewerberzahlen für die US-Marines sprunghaft angestiegen sind, so gibt uns dies zu denken.

Das Ansteigen der Bewerberzahlen scheint auf eine unreflektierte, die Gewalt befürwortende Grundhaltung zurückzuführen zu sein. »Ein Soldatentum (aber), das sich noch immer auf kriegerische Bewährung bezieht und dort seine Berufsmotivation erhält, ist überholt« (General a. D. Wolf Graf von Baudissin). Nicht der Krieg, sondern der Frieden ist der Ernstfall.

Politischen Konfliktregelungen ist uneingeschränkt Vorrang zu geben; kaltes Kriegertum ist unter entspannungspolitischen und rüstungskontrollpolitischen Aspekten betrachtet gefährlich.

Wieder einmal hat eine Supermacht ein »psychologisches und politisches Gespür« bewiesen, das jeder entspannungspolitischen Überlegung den Garaus macht und an Dummheit nicht zu überbieten ist. Unser Mitgefühl zu den gefallenen jungen Soldaten gründet sich daher nicht auf die Anerkennung ihrer kriegerischen Leistung, sondern hat seinen Ursprung in einer die »Kanonenboot-Politik« verachtenden Gesinnung.

Hamburg REINHOLD THUMEYER, HANS-DIETER HEINE Leutnante an der Hochschule der Bundeswehr

BRIEFE

Tagtäglich gegen Kokain-Mafia

(Nr. 45/1983, Prozesse) *

»An dem Stoff (Kokain) verdienen Minister und Militärs ... und die Regierenden (halten) sich durch den Export an der Macht ...« In Anbetracht dieser gewagten und ungerechtfertigten Behauptungen und in der Annahme, daß eine Informationslücke bestehen dürfte, erlauben wir uns, mitzuteilen, daß seit dem 10. Oktober 1982 die bolivianischen Regierungsgeschäfte von der demokratisch gewählten Regierung der U.D.P. (Unidad Democratica Popular) übernommen wurden, welche sich tagtäglich für die Erfüllung eines ihrer zentralen Programmpunkte einsetzen, nämlich das Land durch die entschiedene Bekämpfung der Kokain-Mafia moralisch zu stärken.

Wegen der Ausmaße des Problems und um einen raschen Erfolg der Kampagne gewährleisten zu können, wäre sicherlich der Beistand anderer Länder sehr hilfreich, welche über größere wirtschaftliche Ressourcen als Bolivien verfügen

und ebenfalls an der Eliminierung dieser Geißel der Menschheit interessiert sind.

Bonn AIDA LUZ POLO, 2. Sekretär Botschaft von Bolivien

BRIEFE

Abartige Aktion

(Nr. 44/1983, Stiftungen: Amerikanische Reaktionäre schüren die Kampagne gegen die westdeutsche Friedensbewegung) *

Als interessante Ergänzung zu Ihrem Artikel wäre noch zu erwähnen, daß der bei dem sowjetischen Jumbo-Abschuß ums Leben gekommene McDonald ausgerechnet auch noch auf dem Hambacher Schloß (der so oft gerade von CDU-Politikern besungenen Wiege der deutschen Demokratie) von mehreren CDU-Bundestagsabgeordneten eine Gedenktafel gesetzt bekam.

Die Unterstützung dieser abartigen Aktion durch die Bundestagsabgeordneten Geißler, Marx, Magin, Weiss und Berger ist um so bemerkenswerter, da man hier den »Chef der rechtsradikalen John Birch Society« (Zitat aus dem SPIEGEL vom 5. 9. 1983) geehrt hat.

Die »Grünen« Rheinland-Pfalz hatten damals vergeblich dagegen protestiert.

Mainz BERNARD KUKATZKI »Die Grünen« Rheinland-Pfalz

BRIEFE

Fast Bunkermentalität

(Nr. 44/1983, SPIEGEL-Gespräch mit dem IG-Metall-Vorsitzenden Mayr) *

Wir streuen das Interview mit freundlichen Grüßen durch das Hessenland, weil es besser, als wir das könnten, die Schwachstellen in der Argumentation der IG Metall bei der Diskussion um die 35-Stunden-Woche aufdeckt. Der IG-Metall-Vorsitzende auf die Frage nach den Kosten der 35-Stunden-Woche: Sie liegen nicht bei 14,3 oder (mit Folgekosten) 18 Prozent, sondern bei 6,25 Prozent, und das ist keine »Milchmädchenrechnung« (SPIEGEL), weil (!) das Beschlußlage der IG Metall ist.

Aus solchem Diskussionsstil spricht schon fast Bunkermentalität. Wenn die IGM-Spitze doch wenigstens die Argumente der Topmanager der gewerkschaftseigenen Unternehmen ernst nähme, die aus nationalen Wettbewerbsgründen jede Vorreiterrolle ablehnen. Was prädestiniert die deutsche Wirtschaft insgesamt denn für die Vorreiterrolle weltweit? Wohl nichts.

Frankfurt DR. HENNING VON VIEREGGE Pressestelle der hessischen Metallindustrie

Selten hat ein Interview-Partner des SPIEGEL so ungeniert zu erkennen gegeben, daß ihn die Realisierbarkeit seiner Wünsche gar nicht interessiert.

Dem Bürger muß erneut deutlich gemacht werden, daß ein gut Teil der Arbeitslosigkeit aus der Maßlosigkeit der Gewerkschaftsforderungen in den 70er Jahren herrührt und der Schwachheit der Arbeitgeber, nicht rechtzeitig und begründet nein zu sagen, wo ein Ja nicht zu finanzieren war. Die Arbeitskräfte

sind durch Lohn- und Lohnnebenkosten so teuer geworden, daß die früher üblichen Personalreserven überall abgebaut werden mußten. Das waren bis zu zehn Prozent der Beschäftigten eines Betriebes. Neueinstellungen sind wegen der einzugehenden schwer lösbaren Bindungen problematisch.

Als naiv muß schließlich die Bemerkung des Gewerkschaftsbosses gewertet werden, die echte Mehrbelastung an Personalkosten betrage »nur 6,25 Prozent«, da das Recht über Rationalisierungsinvestitionen eingespart werde. Die Investitionsgüter kosten schließlich auch Geld. Niemand schenkt sie den Betrieben; und genau dieses Geld fehlt dann für Neueinstellungen. Wo also bleibt der angestrebte Abbau des Arbeitslosenbestandes?

Rechenübungen sind gefragt!

Berlin HORST WEIGERT Bundesverband der Wirtschaftsberater e. V. Regionalverband Berlin

BRIEFE

Gepflegte Schwarzmalerei

(Nr. 45/1983, Juristen: Berufsaussichten) *

Bei manchem »alteingesessenen« Kollegen erzeugt die Furcht vor junger, engagierter Konkurrenz und möglicherweise damit verbundenen Einkommenseinbußen die allseits gepflegte Schwarzmalerei.

Es gibt genügend Bereiche, in denen qualifizierte Kollegen Mangelware sind. Und auch, daß es in einigen ländlichen Regionen noch erheblichen Bedarf an Anwälten gibt, ist unbestreitbar.

Freiburg ROLF C. MEMMING Rechtsanwalt

Die Rechtsanwälte kommen aus ihrem Elfenbeinturm heraus, machen Beratungstätigkeit in Mieterverbänden, Verbraucherschutzvereinigungen, Jugendzentren, Stadtteilinitiativen, sind bei politischen Aktionen, die potentiell strafrechtlich relevant sind, schneller vor Ort. Es wird also keine gierige Juristenmeute auf allzeit zahlungsverpflichtete Mandanten losgelassen, sondern eine breitere, massivere Interessenvertretung und eine schärfere Konfliktauseinandersetzung betrieben.

Hamburg CHRISTOPH BODE Rechtsanwalt

Auch auf dem Gebiet des Wettbewerbsrechts existieren Mißbräuche, zumal Anwälte oft direkt an Abmahnvereinen beteiligt sind, das heißt von diesen auch profitieren. Allerdings sind Großverdiener der jeweiligen Abmahnvereine vor allem die Vorstandsmitglieder, insbesondere der Vorsitzende. Da werden als Salär oft Zehntausende genannt, hinzu kommen Tantiemen und so weiter.

Berlin DIETHER PRELINGER Rechtsanwalt

Als ich den sehr informativen und treffenden Artikel zu Gesicht bekam, hat es bei mir schmerzhaft geklingelt. Ich fand das, was Sie von mir photographiert und zitiert haben, zutreffend, aber meinen Namen (Klinge) unangenehm verändert (Klingel).

Koblenz DR. ERICH KLINGE Justizrat

Obwohl als Beamter selbst betroffen, halte ich es für einen Mißstand, wenn Beamte im Ruhestand, die heute noch den Rückhalt einer guten Pension haben, in Konkurrenz zu Anwälten treten. Hier wären gesetzliche Maßnahmen mit dem Ziel erforderlich, Beamte, die in den Ruhestand treten, nicht zur Rechtsanwaltschaft zuzulassen.

Berlin NORBERT VON NIEDING

Sie führen aus, daß die »Advokaten beim Prozessieren kein Risiko auf sich nehmen, die Gebühren sind ihnen sicher«.

Dem guten Anwalt - und solche gibt es immer noch - kommt es nicht nur darauf an, von der unterliegenden Gegenseite oder von seinem eigenen Mandanten die Gebühren zu kassieren, sondern dafür

auch die bestmögliche Arbeit zu leisten. Spricht es sich herum, daß ein Anwalt schlampig oder ohne Engagement arbeitet, verliert er sehr schnell seinen guten Ruf.

Dieses Risiko, das der Anwalt in der Tat trägt, wiegt aber sicherlich schwerer als jenes der Kostentragungspflicht. Im übrigen sei darauf hingewiesen, daß es auch heute noch junge Juristen gibt, die »trotz« Prädikatsexamina den Anwaltsberuf wählen und daß ein hochkarätiges Examen allein noch nicht den guten Anwalt, Staatsanwalt oder Richter ausmacht.

Wehr (Bad.-Württ.) HARALD GÜRTLER Richter am Amtsgericht

Obwohl Probleme wie Juristenschwemme, mangelnde Ausbildung, Spezialisierung, Fachgebietsbezeichnung und so weiter seit langem evident sind und die anwaltsinterne Diskussion beherrschen, begnügt sich die Standesoberschicht mit Wehklagen und Forderungen an die Adresse der Politiker.

Statt dieser wären marktwirtschaftliche Analysen des anwaltlichen Dienstleistungssektors, prinzipielle Überprüfungen des längst dysfunktional gewordenen Standesrechts und eine energische Neustrukturierung der Berufspraxis vonnöten gewesen.

Symptomatisch für die Immobilität der Standespolitik ist zum Beispiel, daß sich die Anwaltschaft in der Ausbildungsreformdebatte nahezu kritiklos dem Modell des Richterbundes anschloß und sich damit der Chance begab, auf Anerkennung eines spezifischen Ausbildungsinteresses des Anwalts zu dringen.

Frankfurt PROF. DR. JUR. WOLF PAUL z. Z. Faculdade de Direito da Universidade de Sao Paulo

BRIEFE *KASTEN

Massenweise Nieten *

Es ist leider wahr, daß wir eine Juristenschwemme haben. Eine Ursache haben Sie nicht genannt: Die Wissenschaftsminister haben mit Vorliebe Studienplätze für Juristen angeboten, weil dies eine billige Lösung des Studentenproblems war und ist. Noch ein Stuhl mehr im Hörsaal, und ein weiterer Studienplatz war geschaffen!

Einer Schlußfolgerung muß energisch widersprochen werden: daß junge Anwälte schlechter und finanziell unzuverlässig seien. Ich könnte Ihnen massenweise auch unter älteren Anwälten Nieten nennen. Auch Prominenz ist keine Gewähr für Fachkenntnisse und Einsatzbereitschaft. SPIEGEL-Leser wissen dies, wenn sie im gleichen Heft den Artikel von Gerhard Mauz über Rechtsanwalt Bossi, München, gelesen haben.

Die Veruntreuung von Mandantengeldern ist nicht das Delikt junger Anwälte, sondern gerade etablierter Anwälte, deren Lebensstil durch die Einnahmen nicht gedeckt ist.

Als Vorsitzender eines Schöffengerichts habe ich immer wieder Mühe, Angeklagten Pflichtverteidiger beizuordnen, die trotz der niedrigen Pflichtverteidigergebühren sich für die Angeklagten einzusetzen bereit sind und nicht nur Sprüche klopfen; hier ist eine Wende dringend zu wünschen.

Natürlich wäre es ebenso verkehrt, ältere Anwälte zu diskriminieren. Nur: Das Lebensalter ist kein Kennzeichen für berufliche Qualität! Oder messen Sie die Leistung eines Journalisten an seinem Lebensalter?

Hannover ULRICH VULTEJUS

BRIEFE

Sammler aus Geldgier

(Nr. 44/1983, Kunstraub) *

In den Ländern der Dritten Welt, meine genauen Informationen beziehen sich auf Belize, Guatemala und Mexiko, wird mittlerweile auch gesammelt, und zwar von Personen in der Regierung oder deren Verwandten. Diese Privatsammlungen sind immens, kein Sammler aus den USA oder aus Europa kommt auch nur entfernt an diese Quantitäten heran, und sie sind der Öffentlichkeit entzogen. Es gibt keinen einzigen meiner Kollegen, der gesehen hat, was etwa die frühere Präsidenten-Gattin, Senora Echeveria, angehäuft hat.

Große Museen der Dritten Welt sind übrigens nicht unbedingt das, was wir uns unter Museen vorstellen. Das Peabody Museum (Harvard University) etwa hatte nach erfolgter Bearbeitung 100 der Jaden aus der Cenote von Chichen Itza an das Museo Nacional in Mexico City zurückgegeben mit der Abmachung, daß Studenten jederzeit dort weiterforschen könnten. Als nach etwa neun Monaten so ein Student auftauchte, konnten noch zwölf von 100 dieser Jaden

vorgezeigt werden. Der Rest ist verschwunden.

Mir ist ein Fall bekannt, wo eine sehr alte und gute Sammlung nach Afrika zurückgegeben wurde, im Herkunftsland sollte ein großes Museum damit ausgerüstet werden. Nach einigen Monaten tauchten alle Originalkisten plötzlich in Holland auf dem Kunstmarkt auf.

Wenn es wirklich ein Bedürfnis nach der Dokumentation eigener Vergangenheit in diesen Ländern gibt, tritt es oft zurück hinter der Geldgier der Regierenden. Aber auch angesichts von Hunger der Indianer: Nach drei Mißernten beschloß ein Dorf, in Campeche eine Ruinenstadt auszugraben und die Objekte zu Geld zu machen.

Wenn heute irgend jemand diesen Ländern etwas zurückgibt, so wird es oft gestohlen, gehandelt und zwar von Leuten, die viel reicher sind als die ursprünglichen Besitzer.

Der neue Sammler investiert ohne direkten Bezug zum Objekt: Der erfolgreichste Kunsthändler in New York (den Sie gar nicht ausgemacht haben) verkauft ungefähr 60 Prozent Fälschungen, und der springende Punkt heute ist die Versicherung einer Sammlung, die dem tatsächlichen Wert nicht entspricht. Die beste Investition ist eine, wo der Sammler Opfer eines Diebstahls wird.

Um die Maya oder um die anderen Kulturträger geht es selten oder nie.

New York DR. KORNELIA KURBJUHN Ethnologin

BRIEFE

Sauerland ist überall

(Nr. 45/1983, Gesellschaft: In dem 600 Seelen zählenden Dorf Medelon im Sauerland führt die katholische Gemeinde einen Kreuzzug gegen acht Buddhisten) *

Man kann nur den Kopf schütteln über den »hochwürdigen« Dorf-Pfaffen und seine Schafe.

Berlin LUDWIG MENKHOFF

Wie beknackt die Menschen in unserem angeblich so hoch entwickelten, zivilisierten Westen doch sein können. Gott bewahre uns vor diesen Katholiken!

Murg (Bad.-Württ.) HEINZ MALZACHER

Wer Andersgläubige mit Dynamit bedenken will, steinigt womöglich.

Hamburg JÜRGEN BRANDT

Die Buddhisten nach Tibet und diese Christen - nach Palästina?

Nürnberg HANS-JÜRGEN SCHEWE

Es ist schon so: Die Kirche hat das Kreuz, und wir haben das Kreuz mit der Kirche.

Nordhastedt (Schlesw.-Holst.) RAINER VOSS

Woher nehmen sich diese Menschen (wieder) die Legitimation, so gegen Andersdenkende vorzugehen und sich dabei noch auf das Christentum zu berufen, das wohl nicht nur in diesem Dorf mißverstanden wird?

Stuttgart UWE MÖLLER

Ein Einzelfall ist das mitnichten. Sauerland ist überall!

Schliengen (Bad.-Württ.) HERBERT OTTO

BRIEFE

Geld genug vorhanden

(Nr. 43/1983, Film: Die finanzielle Misere des deutschen Kinos) *

In den letzten Jahren haben die deutschen Kinobesitzer rund 500 Millionen Mark in ihre Betriebe investiert. Zugegebenermaßen sind in den Großstädten auch unbefriedigende »Schuhkarton«-Kinocenter mit Massenabfertigung entstanden. In der »Provinz« aber befinden sich heute die schönsten Umbauten, die in Komfort und Technik auf dem neuesten Stand sind.

Es stimmt einen Kinobesitzer nicht gerade froh, auf Gedeih und Verderb den amerikanischen Großverleihern ausgeliefert zu sein. Aber nur von dort kommen eben die Filme, mit denen wir uns noch gegen Fernsehen und Video behaupten können.

Absolut falsch aber ist der im Artikel erweckte Eindruck, die deutsche Filmproduktion wäre in finanzieller Not. Geld ist genug vorhanden, es fehlt aber an fähigen Autoren und Regisseuren!

Die von gewissen Filmjournalisten stets so gewaltig gepriesenen internationalen Erfolge des neuen deutschen Films spielten sich mit wenigen Ausnahmen nur in kleinen Programmkinos ausländischer Großstädte ab. Von kommerziellen Erfolgen kann jedoch kaum gesprochen werden.

Freudenstadt (Bad.-Württ.) DR. KARLHEINZ PAULI Theaterbesitzer Herausgeber der Marktanalyse »film-sonderdienst«

BRIEFE

Verkehrswidrig

(Nr. 45/1983, Kanzler; Kohl vor Jesuiten in Tokio: »Die Befruchtung ist keine Einbahnstraße") *

Wieder einmal hat unser erster Generalist recht: Die Befruchtung ist keine Einbahnstraße! In einer Einbahnstraße könnte man entweder hin oder zurück; beides scheint indessen erforderlich. Eine Wende ist verkehrswidrig.

Um die Verkehrsterminologie weiter zu verdeutlichen, würde ich im Sinne Kohls vorschlagen: Befruchtung ist eine Sackgasse.

Wardenburg (Nieders.) DR. MED. G. D. WIEDEMEYER

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