MISSERNTE
Es ist entwaffnend, wie die amerikanische Nachkriegshilfe, die von Rednern aller deutschen Stände stets mit tränenerstickter Stimme als gütige Herzenstat des humanen amerikanischen Brudervolks gepriesen wurde, jetzt von Anderson & Co. interpretiert wird: Wir haben die deutsche Gans gemästet, jetzt wollen wir sie auch schlachten.
Köln MAX DÖRNEN
Die vergleichsweise ärmlichen bundesdeutschen Arbeitnehmer werden sich freuen, mit ihren Steuergeldern den hunderttausend US-Gefreiten mit Monatseinkommen von ausgewachsenen Regierungsräten die Tourenwagen zu finanzieren. Als Oberschaffner und Bundesbeamter ohne Weihnachtsgeld bei einem Grundgehalt von 299,60 Mark darf ich meine drei Kinder im Dezember dann zur Weihnachtsfeier der US-Gefreiten in die hiesige Ami-Kaserne zwecks Entgegennahme je einer Zuckertüte entsenden.
Mainz KLAUS-DIETER FREITAG
Zweifellos ist US-Anderson so ungeschickt wie nur möglich vorgegangen. Sie erwähnen jedoch nicht, daß die deutschen Hilfsangebote von dreieinhalb Milliarden Mark, wenn ich amerikanischen Zeitungen glauben darf (zum
Beispiel der »New York Times« vom 30. November), an die Freigabe der von Amerika beschlagnahmten 200 Millionen Dollar deutschen Privatvermögens gebunden waren. Wie man auch immer über die Berechtigung dieses Anspruchs denken mag, darauf konnte sich Anderson wirklich nicht einlassen, denn das steht nicht in seiner Macht. Nur der Kongreß kann darüber beschließen, und der hat eine Freigabe bisher immer abgelehnt.
Washington KURT ROSENWALD
Zinseintreiber Anderson gibt eine Vorstellung davon, woher die peinliche Verachtung rührt, mit der selbst jene »unterentwickelten« Völker die Amerikaner bedenken, die auf Kosten des US-Budgets existieren.
Brüssel MARCEL COURTELIN