Mit einem Schlag - DER SPIEGEL
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Artikel 87 / 96

Briefe

Mit einem Schlag
• aus DER SPIEGEL 9/1981
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mit einem Schlag

(Nr. 7/1981, SPIEGEL-Titel »Ronald Reagan, starker Mann - was tun?« und Wilhelm Bittorf über die Strategen des Irrsinns)

Es ist nicht zu fassen, Sie machen mit Ihrem Titelblatt aus einem »Möchtegern-starken-Mann« und »Auch-Politiker« einen »Glamour Boy a la Hollywood«, der nur halb so alt aussieht, wie er wirklich ist, und der nie so ein geleckter Schönling war, sondern immer nur zweite Garnitur, und das ist die einzige Einstufung, in der er auch nur bleiben wird.

Bremen HANS-RICHARD HÜBSCHER

Respekt vor diesem Mann! Er ist ein Segen für Amerika, ein Segen für den Westen, ein Segen für die ganze Welt!

Probleme wie Staatsverschuldung, hohe Arbeitslosenquoten, Wirtschaftsmisere, Rassendiskriminierung, KKW-Probleme, Polenaufstand, Energieverknappung, Rohstoffverknappung, Überbevölkerung und Welthunger -- sie alle wird er lösen.

Mit einem Schlag!

Kaiserslautern BERNHARD MEYER

Sollte die Bundesregierung sich nicht bald den vernünftigen Regierungen der Holländer, Schweden und Dänen anschließen und mithelfen, für den Einhalt des amerikanischen Wahnsinns zu sorgen, werde ich und viele andere Genossen tatsächlich mithelfen, für »britische Verhältnisse« in der Partei zu sorgen -- denn »Solidarität üben« kann auch eine CDU/CSU-Regierung!

Utscheid (Rhld.-Pfalz) KLAUS ENGEMANN Kreisvorsitzender der Jungsozialisten Bitburg-Prüm

Die Art, wie hier in den Medien und bis in die SPD-Spitze hinein (etwa Egon Bahr!) die Diskussion über die Neutronenwaffe geführt wurde, war schon vor Jahren ärgerlich und drohte nach Weinbergers Vorstoß wieder ärgerlich zu werden. Nachfolgend ein paar nüchterne »nmerkungen: Die Neutronenwaffe ist in Verbindung mit präzisen » » Trägersystemen eine taktische nukleare Verteidigungswaffe, » deren Einsatz auf eigenem Territorium glaubwürdig ist.

» Die Glaubwürdigkeit rührt von der Tatsache her, daß mit » » dieser Waffe angreifende feindliche gepanzerte Verbände durch » » Nuklearstrahlung vernichtet werden können, der durch die » » Waffe verursachte unbeabsichtigte Schaden im eigenen Gebiet, » » wie er zum Beispiel durch die Druckwelle einer » Nuklearexplosion bewirkt wird, jedoch minimalisiert wird.

» Da feindliche Verbände mit großkalibrigen Waffen (und dazu » » gehören auch taktische Nuklearwaffen) in aller Regel im » » Gelände bekämpft werden, ist die Wahrscheinlichkeit, die » » eigene Bevölkerung mit der Neutronenwaffe durch Strahlung zu » » töten, gering. »

Es ist bedauerlich, daß eine Regierung der Bundesrepublik, die ja (noch?) Mitglied der Nato ist, nicht in der Lage oder nicht willens ist, diesen Sachverhalt klar herauszustellen und statt dessen eine Diskussion über die Neutronenwaffe mehr oder weniger linken Demagogen überläßt.

Kreuzweingarten (Nrdrh.-Westf.) DR. GERHARD LOCKE

Wilhelm Bittorfs brillante und alarmierende Analyse sollte vielleicht in einem Punkt ergänzt werden:

Die tödlich bedrohte UdSSR wäre berechtigt, nach Art. 53 und 107 UN-Charta (Feindstaatenartikel) und nach dem Potsdamer Abkommen gegen die BRD wegen Vorbereitung eines Angriffskrieges präventive Maßnahmen, auch militärische, zu ergreifen.

Bonn ERICH KNAPP Mitglied des Bundesvorstands der »Grünen«

Was ein rechter strammer kalter Krieger ist, der tut auch diese Warnung im SPIEGEL ab. Das ist die Nußknacker-Intelligenz in unserem Land.

Lohr (Bayern) MICHAEL FEY S.8 Ich glaube nicht, daß die Amerikaner mit der Neutronenwaffe auf Eroberung aus sind. Sie wollen sicher nur Angreifer und Eroberer ausschalten. Die Neutronenwaffe ist dazu besser geeignet als die alles verheerende Atombombe. Eine Waffe, die hauptsächlich das Kriegsmaterial des Gegners vernichtet, gibt es leider noch nicht. Doch welcher S.9 Mißbrauch wäre selbst und gerade mit dieser »entwaffnenden Waffe« möglich? Am besten wäre es, wenn die Völker ihre »Schwerter in Pflugscharen« umschmiedeten (Jes. 2. 4).

Dillingen (Bayern) BERNHARD VIKARI Kaplan

Bei unseren Unterschriftensammlungen in den Straßen konnten wir feststellen, S.10 daß aufgrund Ihres Artikels viele Menschen bereit waren, den Krefelder Appell an die Bundesregierung zu unterschreiben, »die Zustimmung zur Stationierung von Pershing-Raketen und Marschflugkörpern in Mitteleuropa zurückzuziehen«.

Für uns als Christen ist es besonders erschreckend, daß für diesen Atomkrieg, der Millionen von Opfern kosten wird, auch noch die katholische Kirche und ihre Doktrin vom »gerechten Krieg« herangezogen wird, mit dem Ergebnis: »Es ist unwahrscheinlich, daß ein Atomkrieg ein in sich sinnloses und fatales Ereignis darstellt.«

Gladbeck MARTIN MEIER-STIER Pastor

Beim Lesen des Beitrags von Wilhelm Bittorf erinnerte ich mich eines Zitats aus dem im Jahre 1931 erschienenen Buch: »Morgen wieder Krieg«. Der Verfasser, Dr. Ludwig Bauer, langjähriger Herausgeber »er »Basler Nationalzeitung«, schrieb unter anderem: Deutschland » » bringt vieles mit, was zur Katastrophe unerläßlich ist: seine » » unbegrenzte Begabung, sich belügen zu lassen, seine » » Leidenschaft für Organisation, sein Genie des Gehorsams, » » seinen Hang, extrem zu sein, jede Erscheinung so zu » » überspitzen, daß sie abbrechen muß, seine Tüchtigkeit, die es » » immer wieder emporträgt, seinen fehlenden Sinn für Maß und » » Möglichkeit, der es immer wieder zurückschleudert, einen » brausenden, unbestimmten Inhalt, der stets Form sucht.

» Man sieht erschreckt ein Volk, das höchste Leistungen mit » » vollkommenster Instinktlosigkeit vereinigt, stets auf » » falschem Wege und stets mit höchster Energie ausschreitend, » » glaubt, wo es ablehnen, ablehnt, wo es glauben sollte, und » » immer dort anlangt, wo es nicht hinkommen will, ein » » Schauspiel: grotesk und tragisch. »

Höxter (Nrdrh.-Westf.) HEINZ MÜLLER

Mir reicht's!!!

Tönning (Schlesw.-Holst.) BERND PETERSEN

S.7

Die Neutronenwaffe ist in Verbindung mit präzisen Trägersystemen

eine taktische nukleare Verteidigungswaffe, deren Einsatz auf

eigenem Territorium glaubwürdig ist.

Die Glaubwürdigkeit rührt von der Tatsache her, daß mit dieser Waffe

angreifende feindliche gepanzerte Verbände durch Nuklearstrahlung

vernichtet werden können, der durch die Waffe verursachte

unbeabsichtigte Schaden im eigenen Gebiet, wie er zum Beispiel durch

die Druckwelle einer Nuklearexplosion bewirkt wird, jedoch

minimalisiert wird.

Da feindliche Verbände mit großkalibrigen Waffen (und dazu gehören

auch taktische Nuklearwaffen) in aller Regel im Gelände bekämpft

werden, ist die Wahrscheinlichkeit, die eigene Bevölkerung mit der

Neutronenwaffe durch Strahlung zu töten, gering.

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S.10

Deutschland bringt vieles mit, was zur Katastrophe unerläßlich ist:

seine unbegrenzte Begabung, sich belügen zu lassen, seine

Leidenschaft für Organisation, sein Genie des Gehorsams, seinen

Hang, extrem zu sein, jede Erscheinung so zu überspitzen, daß sie

abbrechen muß, seine Tüchtigkeit, die es immer wieder emporträgt,

seinen fehlenden Sinn für Maß und Möglichkeit, der es immer wieder

zurückschleudert, einen brausenden, unbestimmten Inhalt, der stets

Form sucht.

Man sieht erschreckt ein Volk, das höchste Leistungen mit

vollkommenster Instinktlosigkeit vereinigt, stets auf falschem Wege

und stets mit höchster Energie ausschreitend, glaubt, wo es

ablehnen, ablehnt, wo es glauben sollte, und immer dort anlangt, wo

es nicht hinkommen will, ein Schauspiel: grotesk und tragisch.

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