Mit Evas Monogramm - DER SPIEGEL
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Mit Evas Monogramm

• aus DER SPIEGEL 44/1947
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Haus Wasserburger Straße 12 im Münchner Villenvierte Bogenhausen hat neue Bewohner bekommen: Familie Payne aus Washington, USA, ist eingezogen. An der Tür des einstöckigen, unauffälligen, Baus steht noch »Braun«, und »Eva Braun, München, Wasserburger Straße 12« ist auf jeden Bügel, in alle Schubladen, Bücher und hinter die Bilder gestempelt, die im Haus der nachmaligen Frau Hitler hängen.

»Ich muß aufpassen wie ein Luchs«, sagt Mr. Payne, Ingenieur beim amerikanischen Military Post. »Immer, wenn ich Gäste habe, versucht jemand ein 'Souvenir' mitzunehmen.«

Teppiche liegen nirgends mehr, sie haben schon Souvenirliebhaber gefunden. Die Möbel sind bequem, aber einfach, die Bilder weder geschmackvoll noch kostbar. Die Kacheln im Wohnzimmerkamin sind mit Evas Monogramm geschmückt oder zeigen Szenen aus ihrem Leben. Hier liebte es der Führer Deutschlands, in einem Sessel zu sitzen und brütend in das Feuer zu starren.

Das Schlafzimmer im ersteh Stock ist ganz in Blau gehalten. Eine verdeckte Tür führt in das Badezimmer, in dem ein Medizinschrank mit einer Inventarliste steht und eine Präzisionswaage von Evas Sorgen um ihre etwas vollschlanke Figur zeugt. Ueber dem Kopfende der blauen Schlafcouch ist ein Telefon mit direkter Leitung zum »Berghof« und zur Berliner

Reichskanzlei anmontiert. Jetzt ist es außer Betrieb.

Die intime Note des Schlafzimmers wird durch eine Spezialdeckenbeleuchtung garantiert. Bei einmaligem Schalten flammt hinter einer Milchglaslampe helles Licht auf. Dreht man den Schalter zweimal, wird der Raum in dunkelrotes Licht getaucht. Auf der Frisiertoilette liegen Bürsten und Kämme, blau wie der Leitton des Boudoirs. Aber die hat Mrs. Iva Payne jetzt erst aus Amerika mitgebracht.

»Sehen Sie sich einmal die Fenster genauer an«, sagt die liebenswürdige Brünette mit nylonbestrumpften Beinen. »Jedes Fenster hat ein verschließbares Eisengitter. Eine elektrische Alarmanlage, schaltet sich automatisch ein, wenn jemand den Garten betritt.« Am Eingang steht ein Einmannbunker mit Schießscharten. Er soll als militärische Anlage demnächst gesprengt werden.

Auch im Luftschutzkeller steht ein Telefon mit direkter Leitung nach Berlin und Berchtesgaden. Eine Frischluftanlage konnte in Funktion treten, falls Eva verschüttet werden sollte. Der größte Anziehungspunkt für Ted, den Sohn von Mr. und Mrs. Payne, ist ein verschlossenes Safe. Bisher hat er vergeblich versucht, es zu öffnen.

»Wissen Sie, als ich hier ankam und mein Mann mir erzählte, daß wir in Eva Brauns Wohnung wohnen werden, dachte ich, er macht einen seiner Witze«, erzählt Iva Payne zum Abschied. »Aber dann stand es sogar noch an der Tür. Ich bin ganz aufgeregt. Jetzt habe ich wenigstens etwas an meine Leute nach Hause zu

schreiben.«

Eva Brauns lange Leitung - Mrs. Payne bekommt keine Verbindung mit Berchtesgaden

Hingerissen - Ted Payne und das Bild des Kamin-Gastes

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