Mit Wut - DER SPIEGEL
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Briefe

Mit Wut
• aus DER SPIEGEL 8/1981
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mit Wut

(Nr. 6/1981, Koalition)

U-Boote nach Chile, Panzer nach Saudi-Arabien -- über die Ankurbelung der Rüstung soll mal wieder die zu erwartende steigende Arbeitslosigkeit aufgefangen werden; anders formuliert: Mit dem potentiellen Tod anderer Menschen durch diese Waffen sollen bei uns die Kassen gefüllt werden. Das ist schlicht und einfach unmoralisch! Mit Wut im Bauch,

Vreden (Nrdrh.-Westf.) MANFRED LANSING

Mein Beitrag zum Thema »Nachrüstung« und dem Fall »Hansen«.

Biebelnheim (Rhld.-Pf.) WERNER MAY

Man kann zu den Äußerungen von Karl-Heinz Hansen stehen, wie man will, aber man sollte doch den Mut haben, auch inhaltlich dazu Position zu beziehen.

Wie die SPD-Spitze darauf reagiert hat, bestätigt jedoch nur die Kritik: Die Spitze entscheidet ohne Rückkoppelung mit der Basis.

Diese Reaktion wird allmählich zum Reflex: Ein Parteimitglied kritisiert, und prompt wird es diszipliniert, ohne inhaltliche Diskussion.

Daß das zu einer Entfremdung zwischen Basis und Parteispitze führt, ist offensichtlich. Die Diskussionen um Kernenergie, Nachrüstung und Waffenexporte und die Art, wie sie geführt werden, sind die deutlichsten Anzeichen dieser Entfremdung.

Auch die Reaktion der Gewerkschaften auf den Kompromiß in der Montanmitbestimmung macht sichtbar, wie weit sich die Parteiführung inzwischen von sozialdemokratischen Grundpositionen entfernt hat.

Es ist an der Zeit, daß die SPD-Führung überlegt, woran es liegen könnte, daß sich Leute wie Erhard Eppler, Jochen Steffen und Peter von Oertzen immer mehr aus der aktiven Politik zurückziehen.

Hannover MICHAEL SCHULZ

Versteht es eigentlich die SPD nicht, daß der Wähler im Oktober, in einer der klügsten Entscheidungen der Nachkriegszeit, nicht für die SPD gestimmt hat, sondern für Herrn Schmidt als Bundeskanzler?

Die Linke in der SPD hat dieses zu Recht als Niederlage begriffen, und wenn sie jetzt an Profil-Neurose leidet, kann die Heilung sehr schnell von Herrn Schmidt kommen.

Dieser sollte zurücktreten, denn einen besseren Abgang, als wegen der Sozialisten in seiner Partei den Hut zu nehmen, kann er eigentlich gar nicht haben.

Hamburg HANS OTTO SCHÜTT

Hansen hat zur Militäraufrüstungs- und Waffenexportpolitik des Kanzlers nur das geäußert, was jeder von uns empfinden müßte: tiefe Abscheu!

Welch sonderbarer Abgeordneter: Er hat ein Gewissen, und niemand kann sich erklären, wie er damit die Auswahlprozedur der SPD überstehen konnte. Und nicht genug damit, er wagt es auch noch, SPD-unverfilzt zu seinem Gewissen zu stehen.

Sozialdemokratischem Fortschritt gemäß wird man dafür nicht mehr geköpft, man wird einfach rufgemordet -- ebenso tödlich und gleichzeitig nützlich abschreckend. Danach endlich wieder Friedhofsruhe in der Fraktion.

Ob da nicht ein Zusammenhang mit dem Aufbegehren der einen und dem Sichabwenden der anderen in der jungen Generation besteht?

Paderborn (Nrdrh.-Westf.) HANS-JOACHIM BLANKENBURG

Optimismus vor dem dritten Weltkrieg? Außer Lyrik fällt mir nur Karl-Heinz Hansen ein.

Pfullingen (Bad.-Württ.) HEINZ BURGER

Als Willy Brandt antrat, mehr Demokratie wagen zu wollen, da haben wir das geglaubt. Da hatten wir Hoffnung. Sie ist abhandengekommen -- endgültig. Ihr habt sie uns kaputtgemacht --Ihr sozialdemokratischen Minister.

Als Salvador Allende starb und Ihr die Pinochet-Clique eine Verbrecherbande nanntet, da glaubten wir, daß Eure Wut auch unsere Wut war. Wir glauben Euch nicht mehr -- Ihr sozialdemokratischen Minister.

Ihr tretet noch dem toten Allende ins Gesicht, wenn Ihr denkt -- auch nur S.8 denkt --, an Chile U-Boote liefern zu können.

Sagt was Ihr wollt -- wir hören Euch nicht mehr.

Wir wählen Euch nicht mehr.

Eckersdorf (Bayern) RUDOLF WASCHKE

Weshalb kommt eigentlich keiner der vielen angeblich so unerschütterlich sozialdemokratischen Prinzipien verschworenen Spitzengenossen in der SPD auf den Gedanken, gegen den Minister Franke, von dem -- außer bei Schützenfesten gegen Linke -- weder innerhalb der programmatischen Diskussion der Partei, noch bezogen auf die Deutschlandpolitik, die sein Ressort ausmacht, Wesentliches zu hören ist, ein Parteiordnungsverfahren anzustrengen? Wegen »parteischädigenden Verhaltens«!

Immerhin dient sich dieser Mann seit Jahren der von Brunnenvergiftung lebenden Springer-Presse an, wenn's darum geht, die verbildete Volksseele gegen S.9 Leute am Kochen zu halten, die ihren Kopf noch zu mehr benutzen als nur zu Janickerei.

Eine schöne Sozialdemokratie, die sich ihre Diskussionsanstöße von zwischen Porno, Crime und Schweißgeruch betuchter Damen angesiedelten Altmänner-Rülpsern herholt!

Merl (Luxemburg) PETER MICHEL

Die moralische Entrüstung gewisser SPD-Abgeordneter über Karl-Heinz Hansens Rede von »politischen Schweinereien« scheint mir Ausdruck kleinbürgerlicher Moral zu sein.

Die lebensnotwendigen Tugenden wie Solidarität mit den Opfern, Kritikfähigkeit gegenüber den Vorgesetzten, Wahrhaftigkeit wenigstens sich selbst gegenüber werden verleugnet zugunsten von Sekundartugenden wie Unterordnung und Disziplin, Sündenbockprojektionen und Emotionslosigkeit gegegenüber den Opfern eigener Politik.

Berlin KONRAD URBAN Pfarrer, noch Mitglied der SPD

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