Die Entstehungsgeschichte dieses Fernsehspielfilms ist so verschlungen wie die unglückliche Liebesgeschichte, die der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg geschrieben hat und die die Vorlage für den Film abgibt. Vergebens hatte Muschg versucht, selbst ein Drehbuch zu schreiben. Bernhard Wicki interessierte sich vorübergehend für den Stoff, Peter Beauvais starb über den Planungen, schließlich brachten Dietrich Feldhausen und der Schweizer Regisseur Thomas Koerfer eine Fernsehfassung zustande, der auch Muschg zustimmte. Die Schwierigkeiten, die Muschg-Erzählung zu verfilmen, liegen auf der Hand: Die literarische Vorlage schildert den Erfolgsanwalt Martin, der vergebens die Liebe einer Studentin sucht, in einer gebrochenen Erzählstruktur mit vielen Rückblenden, ein Psychogramm eines Mannes in der Midlife-crisis mit all seinen Skrupeln, seiner Hilflosigkeit und Lächerlichkeit. Regisseur Koerfer schlug rigoros Schneisen in das Dickicht der Muschg-Erzählung, verpaßte ihr einen chronologischen Handlungsablauf und ließ erzählerisch bloß Angedeutetes ausspielen. Da taumelt der Filmheld (Matthias Habich) wie ein Rasender von seiner heimischen Geburtstagsfeier in das Liebesabenteuer. Die Irritationen durch seine neue Liebe kommen über ihn wie ein Fieber, das schließlich in der Ferienhausspießigkeit des Schweizer Jura von ihm fällt. Koerfer setzt das mit optischem Geschick um, die stillen, eindringlichen Tugenden der Erzählung allerdings, die hinuntergeschluckte Trauer, die Tragik, die die Mißhelligkeiten des Alltags in Lächerlichkeit verwandeln, bleiben in der TV-Fassung auf der Strecke.
20.15 Uhr. ZDF.
Studio 1
Themen: Hamburgs Bausenator Wagner; Streit um Magnet-Schwebebahn Transrapid; die Rechtschreibung - Mief aus Kaisers Zeiten.