MONACO - DER SPIEGEL
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Briefe

MONACO
• aus DER SPIEGEL 16/1953
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MONACO

(Nr. 10/53, Ausland)

Im SPIEGEL vom 4. März erschien ein Aufsatz unter dem Titel »Monaco - Der Erbfolgekrieg«. Auf Seite 22 war zu lesen:

»Im Weltkrieg II erlebte es einen Bombeneinschlag und eine fröhliche Besatzung. Bei ihrem Abzug vermachte sie den Monegassen ihren Sender ('Ici Radio Monte Carlo').«

Da ich zusammen mit dem Dipl.-Ing. C. B. der Hauptverantwortliche für das war, was in dem Aufsatz als Schenkung bezeichnet wird, erlaube ich mir, Ihnen folgendes dazu mitzuteilen:

Während des Krieges war durch Initiative des Auswärtigen Amtes die »Deutsche Auslands-Rundfunkgesellschaft Interradio AG« gegründet worden. Ihr oblag es, auf den Rundfunk neutraler Staaten Einfluß zu gewinnen, sich finanziell daran zu beteiligen oder im Einvernehmen mit dem Gastland eigene Sender zu bauen. So entstand 1943 in Zusammenwirken mit der »Radiodiffusion Française«, der EIAR und der monegassischen Regierung die »Société Radio Monte Carlo«. Vom Aktienkapital besaßen die Franzosen 50 Prozent, die Deutschen und die Italiener je 25 Prozent. Der italienische Anteil wurde nach dem Badoglio-Putsch von den Deutschen verwaltet. Präsident der Gesellschaft war ein Monegasse, der Generaldirektor ein Franzose. Unter diesem arbeiteten als Leiter der einzelnen Abteilungen mehrere Subdirektoren. Stellvertretender Direktor und zugleich technischer Direktor war der oben erwähnte Dipl.-Ing. C. B., ich selbst stand als Beauftragter des Auswärtigen Amtes, in das ich damals aus Justizdiensten abgeordnet war, der Abteilung Informationsdienst vor, mußte mich aber in diese Stellung mit einem Franzosen teilen. Alle anderen leitenden Angestellten waren ebenfalls Franzosen.

Die deutschen Besatzungsbehörden hatten mit dem Sender nichts zu tun. Weisungen

hatten wir nur von dem Auswärtigen Amt in Berlin entgegenzunehmen. Sie liefen über das deutsche Generalkonsulat ein, blieben aber mit zunehmender Lufttätigkeit der Alliierten, die wiederholt die Var-Brücke bei Nizza angriffen und dabei das Fernschreibkabel zerstörten, allmählich ganz aus.

Als nach der Landung der Alliierten in Südfrankreich schließlich auch Monaco bedroht wurde, waren wir von allen Verbindungen völlig abgeschnitten. In dieser Lage faßten Herr Dipl.-Ing. C. B. und ich, nachdem wir unseren Plan dem deutschen Generalkonsul mitgeteilt und dessen Beifall gefunden hatten, den Entschluß, die Anlage und alles von deutscher Seite eingebrachte Inventar dem Schutz der monegassischen Regierung anzuvertrauen mit der Maßgabe, daß die Monegassen Treuhänder des deutschen Eigentums, der deutschen Rechte und Interessen sein sollten. Die monegassische Regierung nahm den Vorschlag an und versprach, alles in ihren Kräften Stehende zu tun. Ein förmliches Abkommen unterzeichneten wir am 27. August 1944 im Regierungsgebäude. Wir benachrichtigten die deutschen militärischen Stellen, die volles Verständnis für unsere Handlungsweise zeigten und unser Verhalten ausdrücklich guthießen.

»Vermacht« haben wir also den Sender nicht. Dazu besaßen wir keine Legitimation. Wohl aber taten wir in unserer verzwickten Lage einen damals sehr gefährlichen Sehritt, der heute die Kritik nicht zu scheuen braucht. Später erfuhren wir, daß das Auswärtige Amt eine Weisung an uns hatte ergehen lassen, nichts zu zerstören. Doch war diese Welsung nie an uns gelangt. Glücklicherweise hatten wir die richtige Nase gehabt.

Stuttgart 13

Dr. Eberhard Wöllner

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