Moral
Italiens Innenministerium bläst für die zu einem Moral-Feldzug ausgerückten Polizeitruppen schleunigst das Rückzugssignal. In der italienischen Oeffentlichkeit hat ein erbitterter Kampf um den zweiteiligen Badeanzug und das trägerlose Kleid begonnen, die auf die schwarze Kleiderliste der Polizei gesetzt worden waren. Innenminister Mario Scelba hatte die Polizeibehörden an bestehende Gesetze erinnert, nach denen das Tragen »unschicklicher Kleidung« in der Oeffentlichkeit verboten ist. Als Ergänzung dieser Bestimmungen flocht Scelba noch die Dreiecks-Badehose, schulterfreie Kleider und zweiteilige Badeanzüge in den alten Gesetzeszopf. Die pflichtbewußten Polizisten stürzten sich eifrig auf das neue Arbeitsgebiet in den Badeanstalten. Am Strand von Ostia und Frigene wurden scharenweise junge Mädchen des Bekleidungsvergehens überführt und eingelocht. In Neapel kassierte die Polizei hohe Geldstrafen für badebekleidete Straßenpassanten ein. Kommunistenzeitungen stellen naserümpfend auch hier den rechten Kausalzusammenhang her: »Das haben die Wähler davon, wenn sie eine klerikale Regierung wählen«.