Morgenluft
Das deutsche Büro der »New York Sun« läßt sich von seinem Kulissenberichter aus Leipzig interessante Meldungen durch den Vorhang flüstern: »In Leipzig beschlossen die Stadtverordneten, die roten Fahnen auf den öffentlichen Gebäuden einzuziehen und künftig schwarz-rot-gold zu flaggen. Dieser Beschluß durch die knappe bürgerliche Mehrheit im Stadtparlament löste heftigste SED-Angriffe aus. Die Feststellung der LDP, das rote Tuch sei die Fahne der Besatzungsmacht, wurde als unerhörte Beleidigung registriert. Denn unter der roten Fahne kämpfe und sterbe der fortschrittlichste Teil des deutschen Volkes. Trotz allen Lärms der Einheitlichen lehnten die Messestadtväter auch den kommunistischen Dringlichkeitsantrag ab, den Warschauer Außenministerbeschlüssen zu huldigen.« Der New Yorker Sonnenkorrespondent bezeichnet Leipzig als die erste Stadt in der Ostzone, die öffentlich gegen den vorgeschriebenen Kurs der Ostpolitik rebelliere.