Mosel
Zur Vorleistung auf die Montan-Union sollten sich im März deutsche, luxemburgische und französische Wirtschaftsvertreter in Paris treffen, um die Regulierung der Mosel zu beraten. Den Vortrupp bildet die Handelskammer Metz, die berechnet hat,
daß die Tonne deutscher Ruhrkohle auf dem Wasserweg über Metz-Diedenhofen nur 9 DM Fracht kostet, während jetzt über Straßburg 26,50 DM oder für die Bahnfracht Ruhrgebiet-Lothringen 18 DM gezahlt werden müssen. Den Deutschen fiele dabei die kostspielige Regulierung von 270 Mosel-Kilometern zu, während die Mosel zwischen Diedenhofen und dem Rhein-Marne-Kanal bereits kanalisiert ist. +
Bundesverkehrsminister Dr. Seebohm erklärte, daß die Elektrifizierung der Moselbahnstrecke Koblenz-Metz den Vorrang vor der Flußregulierung habe. Die 10 Mill. Tonnen, die der Flußhandel jährlich ausmachen würde, könne die Bundesbahn ohne weiteres bewältigen. +
Darauf wiederum hat der Verkehrsverband »Industriegebiet« den Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen aufgefordert,
zuerst für die Elektrifizierung des Ruhr-Eisenbahnnetzes zu sorgen, statt französischen Kohlefracht-Interessen zuliebe die zweitrangige Moselbahn zu elektrifizieren. +
Für die Moselregulierung ist die Handelskammer Trier, deren Präsident sich öffentlich gegen Seebohm wandte, weil er die Blütenträume der Moselschiffer vorzeitig mit Rauhreif bedeckte. +
Die Handelskammer Straßburg ist gegen Elektrifizierung und Regulierung. Siegt je die Mosel im Ruhrkohlenversand, kann Straßburg seinen Hafen schließen. +
Die für März geplante Beratung über die Mosel-Regulierungen mußte wegen der Interessenkollision auf unbestimmte Zeit vertagt werden, statt dessen hat der Deutsche Industrie- und Handelstag erst einmal die sich öffentlich scheltenden westdeutschen Interessenten in eine Bonner Konklave gesperrt, wo sie eine einheitliche bundesdeutsche Linie zwischen Ruhr und Mosel erarbeiten sollen.