"FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND" Mutmacher Middelhoff
Eine Quasi-Garantie vom Eigentümer: »Auch in fünf Jahren wird es die ,Financial Times Deutschland' geben«, verkündete Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff bei einem Redaktionsbesuch in Hamburg. Der Gütersloher Medienkonzern ist über die Tochter Gruner + Jahr (G+J) an dem Joint Venture mit der englischen Pearson-Gruppe beteiligt. Die Chefvisite sollte allen Beteiligten in Redaktion und Verlag in einer schwierigen Phase Mut machen. Zwar werden laut Verlag über 57 000 Exemplare täglich abgesetzt - am Kiosk aber sind es laut Grossisten nicht mal 10 000 Exemplare. Zudem finden sich in der vor über fünf Monaten gestarteten Wirtschaftszeitung auffallend viele Bertelsmann-Eigenanzeigen. Intern klagen viele Redakteure über die dünne Personaldecke, gleich mehrere führende Mitarbeiter haben das Blatt verlassen oder den Weggang angekündigt. Eher unfreiwillig musste auch Marketingchef Hans Hamer scheiden: Er hatte es nach Ansicht seiner Kritiker nicht geschafft, die Zeitung ausreichend bekannt zu machen. Nun soll eine 30 Millionen Mark teure Werbekampagne helfen. Schließlich will »FTD«-Chefredakteur Andrew Gowers bis April 2001 rund 70 000 Exemplare verkaufen. Die Ziele seien zu schaffen, meinte Middelhoff bei seinem Hamburg-Besuch. Allerdings mahnte er Änderungen an: Für die Zukunft wünsche er sich »mehr ,FAZ', weniger ,taz'«.