Nachrüstung: »Idee der Amerikaner«
Axel Springers »Welt« empörte sich. »Der Kanzler«, verkündete die Zeitung am Montag vergangener Woche, »irritiert Amerika mit seiner harten Kritik.«
Beamte des US-Außenministeriums, so stand es in der »Welt«, hätten ihr »höchstes Befremden« über »Zeitpunkt und Gehalt« der Kanzler-Äußerungen deutlich gemacht. Schmidt wolle offensichtlich »unter dem Anprall der 'Friedensbewegung' zwischen sich und den USA weitere Distanz« legen.
Die Wahrheit ist simpler. Schmidt hatte vor 18 amerikanischen Journalisten nur detailliert geschildert, wie nach seiner Erinnerung der Nato-Doppelbeschluß zustande gekommen ist.
1977, erläuterte der Kanzler, habe er in einer Rede in London davor gewarnt, eine auf die USA und die Sowjet-Union begrenzte strategische Rüstungsbeschränkung müsse das Sicherheitsbedürfnis der westeuropäischen Bündnispartner beeinträchtigen, wenn es nicht gelänge, die »in Europa bestehenden Disparitäten parallel zu den Salt-Verhandlungen abzubauen«.
Ihm sei es darum gegangen, die atomaren Mittelstreckenwaffen in die amerikanisch-sowjetischen Salt-Verhandlungen einzubeziehen. Daß dies nicht getan worden ist, halte er »immer noch für einen Fehler«.
Im Januar 1979, beim Weltwirtschaftsgipfel auf Guadeloupe, habe US-Präsident S.15 Jimmy Carter dann vorgeschlagen, ein Gegengewicht gegen die sowjetischen SS-20-Raketen in Westeuropa aufzubauen. Schmidt: »Dies war die amerikanische Idee.«
Die drei westeuropäischen Spitzenpolitiker, Frankreichs Valery Giscard d'Estaing, Großbritanniens James Callaghan und er, hätten daraufhin gesagt: »Well, that's o.k.« Aber bevor diese zusätzlichen Waffen in Europa stationiert würden, müsse sich der Westen mit derselben Energie um Verhandlungen mit Moskau über eine Begrenzung der Mittelstreckenwaffen in Ost- und Westeuropa bemühen. So sei es Ende 1979 zum Nato-Doppelbeschluß gekommen.
»Sie scheinen nicht gerade begeistert über diese Entscheidung zu sein?« fragte einer der Journalisten.
Schmidt: »Ich war nie darüber begeistert, nie.«