Nackte Panik - DER SPIEGEL
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ITALIEN Nackte Panik

• aus DER SPIEGEL 26/2009
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Auch in der Außenpolitik ziehen Playboy-Qualitäten, glaubt Silvio Berlusconi. Mit ausländischen Staatschefs zu verhandeln sei genauso »wie einem Mädchen den Hof zu machen«, erklärte der italienische Premier vergangene Woche vor Jungunternehmern in Santa Margherita Ligure. Man müsse ihr zwei Angebote machen, nicht nur eines, damit sie glaube, noch die Wahl zu haben: »Das Hirn schaltet dann die Möglichkeit aus, nein zu sagen.« Auch beim Mädchen Angela Merkel hätte der italienische Regierungschef mit seinen Verführungstechniken Erfolg gehabt: »Dank der Pflege, die wir ihr haben angedeihen lassen, sind wir jetzt an dem Punkt, wo wir uns anrufen, ,Silvio!' - ,Angela!', und alles am Telefon entscheiden.«

In der Innenpolitik dagegen machen Berlusconi seine Papagallo-Künste schwer zu schaffen. »Unter seinen Leuten herrscht nackte Panik. Alle fürchten neue Enthüllungen. Man spricht schon von Neuwahlen im Oktober«, so beschreibt der Gouverneur von Apulien, Nichi Vendola, das Klima in Rom. Die »Villa Certosa«-Affäre um Partys mit angeblich per Regierungsmaschinen eingeflogenen TV-Starlets in seiner Residenz auf Sardinien setzt dem Medienmilliardär immer mehr zu. Vergangene Woche sagte die 42-jährige Patrizia D'Addario, eine Hostess aus Bari, der Zeitung »Corriere della Sera«, ihr seien 2000 Euro gezahlt worden, damit sie die Nacht im Palazzo Grazioli verbringe, dem Wohnsitz Berlusconis in Rom. Bezahlt habe ein mit dem Ministerpräsidenten befreundeter Geschäftsmann. Das ehemalige Fotomodell, das inzwischen auch von der Staatsanwaltschaft in Bari vernommen wurde, behauptet, sie habe heimlich Audioaufnahmen von der Nacht bei Berlusconi gemacht. Die Ermittler sollen die Aufnahmen nun überprüfen. Pikantes Detail: Die Dame figurierte auch auf einer kommunalen Wahlliste von Berlusconis Mitte-Rechts-Bündnis - »um die Frauenquote zu erreichen«, wie der Verantwortliche es ausdrückte.

Berlusconi spricht von einer koordinierten Schmutzkampagne der Opposition und der Zeitungen seiner Gegner: »Wieder füllen sich die Blätter mit Dreck und Unwahrheit.« Die Ergebnisse einer Untersuchung, ob der Regierungschef seine Partygirls auf Kosten des Steuerzahlers einfliegen ließ, stehen noch aus. Drei weitere Mädchen sollen bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt haben. Berlusconi fürchtet nun, bei den katholischen Wählern an Zustimmung zu verlieren.

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