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THAILAND / VERBÜNDETE Nächste Front

• aus DER SPIEGEL 30/1970
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»Wenn es im Dschungel kracht, macht die Seato Manöver auf See«, lautete ein Standardwitz thailändischer Stabsoffiziere über den Seatopakt. Das Witzeln über die Verbündeten ist den Thais in den letzten Wochen vergangen.

Denn jetzt sucht sich das Südostasiatische Verteidigungs-Bündnis, ein Gegenstück der Nato in Asien, seinen Verpflichtungen gegenüber Bangkok zu entziehen. Zwar hatte Präsident Nixon bei seinem Thailand-Besuch vor einem Jahr noch gelobt: »Die USA werden stets zu Thailand stehen gegen diejenigen, die dies Land von innen oder außen bedrohen.«

Sein Außenminister Rogers aber lehnte auf der Seato-Tagung von Manila Anfang Juli Thailands dringendes Verlangen verstärkter Hilfe rundweg ab -- zu einer Zeit, da Vietcong und Nordvietnamesen die thailändische Provinz Sisaket über die Grenze von Kambodscha her beschossen.

Statt Hilfe von der Seato erhielt das hinterindische Königreich bloß Allianz-Angebote von Nachbarn, die selbst bis zum Hals in Schwierigkeiten stecken. Für Dienstag dieser Woche kündigte Kambodscha-Premier Lon Nol seinen Besuch in Bangkok an. Er will um Truppenhilfe der Thais gegen die roten Regimenter in einem Land bitten, die seine Hauptstadt Pnom Penh immer enger umschließen. Südvietnams Kambodscha-Feldherr Nguyen Cao Ky hielt sich in der letzten Woche in Bangkog auf. Er verteilte gute Ratschläge.

»Die Kommunisten kommen bestimmt«, verriet der Südvietnamese« der seit zehn Jahren mit wenig Erfolg gegen die KP-Partisanen im eigenen Land ficht, dem Regierungschef der Thais. Dann gab der Fliegergeneral Ky dem Feldmarschall Kittikachorn Taktik-Unterricht: Es sei besser, den Feind schon außerhalb der eigenen Grenzen -- also jetzt in Kambodscha -zu bekämpfen.

Kittikachorn kämpfte gegen die Guerillas längst außerhalb der Grenzen Thailands. Seit Jahren versuchen 12 000 »Schwarze Panther«, eine Elite-Division der Thai-Armee, den Amerikanern und Südvietnamesen auf dem Schlachtfeld in Vietnam zu helfen.

Tausende Thai-Krieger üben aktive Vorwärts-Verteidigung im Nachbarland Laos. Thailand selbst diente der U. 5. Airforce als überdimensionaler Flugzeugträger für Einsätze in Vietnam, Laos und Kambodscha. 47 000 GIs sind auf neun Stützpunkten im »Land der Freien« stationiert.

Dafür kassierte die Thai-Regierung über eine Milliarde Dollar Militär- und Wirtschaftshilfe von Amerika. Aber der eigentliche Sinn der Sache erfüllte sich nicht: den Feind weit vor den eigenen Toren abzufangen.

Über dem Einsatz in Vietnam und Laos vernachlässigten die Thais jene roten Partisanenzellen im Norden und Nordosten des eigenen Landes und im Grenzgebiet zu Malaysia, die jetzt die »Far Eastern Economic Review« zu der Voraussage verleitete·. »Die nächste Front des Indochina-Kriegs entsteht in Thailand.«

Etwa 3000 aktive Guerillas der thailändischen Minderheiten sowie 5000 Sympathisanten bereiten sich und die Bevölkerung auf einen neuen Befreiungskrieg nach Vietcong-Muster vor. Bewaffnet mit chinesischen AK-47-Schnellfeuergewehren, wagen sie sich neuerdings aus ihren Bergschlupfwinkeln ins offene Reis-Land hinaus. Partisaneneinheiten überfallen seit zwei Monaten Polizeiposten nur wenige Kilometer außerhalb der Provinzhauptstädte, wie etwa im Grenzgebiet zu Laos vor Tschiang Ral.

Vom Wirtschaftsboom der Herren-Thais ausgeschlossen und als Volk verachtet, neigt vor allem die Meo-Minderheit zur Rebellion. Volkskriegs-Strategen aus China und Nordvietnam fiel es leicht, Kader unter den Meo-Stämmen zu rekrutieren: Ihrer Herkunft nach sind die Meos ins Thai-Bergland verschlagene Chinesen, ihre Sprache ist dem Mandarin verwandter als dem Thai.

Als Bangkok-Soldaten vor drei Jahren die ersten im Ausland geschulten Guerillas gefangennahmen, reagierten die Thais genauso plump wie die Amerikaner in Südvietnam: Statt einen Teil der Dollarhilfe auch in ihre unterentwickelten Gebiete zu leiten, tapsten schwerfällige motorisierte Armee-Einheiten in Feuerfallen der Meo-Rebellen. Auf Partisanen-Überfälle reagierten sie mit Napalm. * König Bhumibol und Königin Sirikit.

Folge: Bomben- und Flüchtlingselend trieb die bis dahin unbeteiligte Mehrheit der Meo in die Arme der Kommunisten. Ende 1969 war aus einer kleinen lokalen Rebellion die »Nationale Front des thailändischen Volkes« erwachsen.

Bangkok begriff die Gefahr erst, als nach dem Sturz des Neutralisten Sihanouk der Vietnamkrieg nach Kambodscha überschwappte. Vor dem US-Einmarsch in Ost-Kambodscha wichen die roten Bataillone nach Westen aus -- zur thailändischen Grenze hin. Dort blieben die Partisanen auch, nachdem Nixons Expeditionskorps wieder abgerückt war. Thailands Befreiungsfront wurde in die von Peking ausgekochte Strategie der Volksfronten für ganz Südostasien einbezogen.

In dieser Situation zeigte Thai-Premier Kittikachorn wenig Bereitschaft, mit eigenen Bataillonen in Kambodscha mitzumischen. Von Ky und den Kambodschanern bedrängt, entsann er sich plötzlich der Mai-Konferenz zwölf asiatischer und pazifischer Nationen in Djakarta, die jede ausländische Intervention in Kambodscha verdammt und diplomatische Mittel zur Lösung des Konflikts empfohlen hatte.

So schickte Thailand den bedrängten Kambodschanern nur 2000 gebürtige Kambodscha-Bürger aus den Thai-Ostprovinzen für den Kampf gegen die Kommunisten sowie knapp ein Dutzend Thai-Offiziere als Berater. Lon Nols veraltete Luftwaffe darf auf thailändischen Feldflugplätzen tanken und Munition laden.

Thailands Armee erhielt Urlaubssperre und wurde in Alarmzustand versetzt, doch die Soldaten bleiben im Land. Sie sollen die Kommunisten nicht mehr beim Nachbarn bekämpfen, sondern an der eigenen Grenze aufhalten.

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