Namen
Ich las mit viel Interesse in Nr 20 Ihren Artikel »Kreml-Machtworte auf deutsch« Ich kenne die Verhältnisse in der CSR sehr gut, da ich erst im Juli 1948 von dort geflüchtet bin.
In meiner Prager Studentenzeit war ich befreundet mit Egon Erwin Kisch, dem nachmaligen »rasenden Reporter«, der im April vorigen Jahres in Prag starb und ein Staatsbegräbnis erhielt. Ich diente mit ihm im ersten Weltkrieg in einer Batterie und begleitete ihn des öfteren auf seinen Streifzügen durch das nächtliche Prag. Eine gefürchtete Figur in diesem nächtlichen Prag war Tonto Pasak. Heute heißt er Antonin Zapotocky und ist Ministerpräsident.
Mich wundert es, daß sie den Generalsekretär Slansky für einen reinen Tschechen halten. Sowohl er als auch Bares, der Hauptschriftleiter der Wochenschrift »Tvorba«, trugen früher deutsche Namen. Die tschechischen Namen legten sie sich erst später zu.
RHEINBACH
Dr ADOLF MASCHKA
Slansky ist trotz seines früheren deutschen Namens ein Tscheche. Spiegel-Leser Dr. Maschka weiß sicher selbst, daß der Name in der Tschechoslowakei einen Rückschluß auf die Abstammung nicht gestattet Beispiele: Gottwald und Fierlinger sind tschechischer Abstammung. In einem früheren CSR-Kabinett hießen die beiden deutschen Minister Czech und Spina, der Postminister - ein nationalistischer Tscheche - hingegen Franke. - Red.