Neigung zum Diktatorischen - DER SPIEGEL
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Briefe

Neigung zum Diktatorischen
• aus DER SPIEGEL 41/2000
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Neigung zum Diktatorischen

Nr. 39/2000, Serie: Die Welt im 21. Jahrhundert: Staat und Demokratie

Während viele Menschen in Afrika und Deutschland für eine neue Partnerschaft zum Beginn dieses neuen Jahrhunderts plädieren, gibt es leider immer noch die vom Eurozentrismus geprägte Berichterstattung über Afrika in Deutschland. Oft werden die tatsächlichen Verhältnisse in den afrikanischen Ländern dramatisiert. Falsche Bilder über das Alltagsleben der 700 Millionen Afrikanerinnen und Afrikaner werden propagiert. Der Generationswechsel vollzieht sich in Afrika, ohne dass man sich dessen bewusst ist. Die Mehrheit der afrikanischen Bevölkerung sind Jugendliche, die nach einem besseren und friedlicheren Afrika streben. Unser Kontinent befindet sich im Aufbruch. Die von der Kolonialzeit geerbten Strukturen haben ausgedient. Afrika braucht dringend Reformen und neue Gesellschaftsstrukturen nach unseren eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen.

WUPPERTAL JIMMY KENGA KOORDINATOR DER INITIATIVE AFRIKA 2000

Gerade weil ich vermute, dass die Neigung zum Diktatorischen in unserer Natur liegt, war Claus Leggewies Essay und das Gespräch mit Douglas Adams sehr ermunternd. Denn alle Alternativen zur Demokratie sind schlimmer.

ST. MICHAEL / SMIHEL (ÖSTERREICH) GREGOR KRIsTOF

Leggewie macht sich ausschließlich Gedanken um die Demokratie, also wie Mehrheiten sich artikulieren und herrschen sollten. Leider spart er ein zentrales Problem aus: Welchen Geltungsbereich sollen Kollektiventscheidungen durch den Volkssouverän haben, und was kann in Zukunft (und mit neuen Technologien) durch individuelles Handeln koordiniert werden? Konsequenterweise fällt das Wort Demokratie wohl 20-mal; der Begriff Freiheit kommt leider nicht vor. Nebulöse Kampfkonstrukte wie »PR-Geschwätz«, »Leitvorstellungen des E-Commerce« und »Kolonialisierung durch die Unterhaltungskonzerne« kaschieren diese Ausflucht nur unvollständig. Geradezu feudalistisch mutet es an, wenn er die Ausstattung der Schulen mit Computern schnippisch als Hardwarebombardement abkanzelt.

BAMBERG (BAYERN) RAINER GEISLER

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