Nerven
•
aus
DER SPIEGEL 29/1950
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Der Kreml macht mit der Angst der kleinen Leute große Politik. Zwischen Helmstedt und der Curzon-Linie wächst die künstliche Kriegspsychose. Botschafter Wladimir S. Semjonow gibt täglich neue Flüsterparolen an Georg Dertingers Außenamt und an SED-Funktionäre. - In der Sowjetunion selbst führte die Kriegsangst schon zu unerwünschten Nebenwirkungen. Da die sowjetischen Arbeitermassen unruhig wurden, mußte das Gewerkschaftsblatt »Trud« die Wogen glätten. Sowjetamtlich wurde verlautbart, daß staatlich verlangte Mehrarbeit nur den Zielen des Friedens diene. Von der Kriegspsychose, dieser westlichen Nervenkrankheit, dürften sich Sowjetarbeiter nicht anstecken lassen.