Neu in Deutschland - DER SPIEGEL
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Neu in Deutschland

• aus DER SPIEGEL 5/1953
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John Steinbeck: LOGBUCH DES LEBENS. Während Weltkrieg II stöberten der amerikanische Schriftsteller John Steinbeck ("Die Straße der Ölsardinen") und sein Freund Dr. Ed Ricket im kalifornischen Golf nach seltsamen Fischen, unbekannten Pflanzen und neuen Erkenntnissen über das maritime Leben. Die wissenschaftliche, philosophische und poetische Ausbeute der Expedition veröffentlichten sie gemeinsam in der Meeresreportage: »The Log from the Sea of Cortez«, einige Kapitel heiterer, abenteuerlicher Wissenschaft, einige Kapitel naturphilosophischen Eigenbaus, gemixt mit faszinierend schlichten Schilderungen des geheimnisvollen, heimtückischen Golfes. Das Buch, nach dem Tode von Rickets neuaufgelegt, enthält einen saftig-humorigen Nekrolog auf »Doc« Ed, der auch in Steinbecks »Straße der Ölsardinen« eine Hauptfigur war. (Steinberg-Verlag, Zürich, 389 Seiten, 15,80 DM.)

Hermann Kasack: DAS GROSSE NETZ. Die sehr beliebte Grauens-Utopie à la Orwell erfährt eine zunächst befremdende, dann belustigende, schließlich enttäuschende Abwandlung. Autor Kasack siedelt seine Vision des Ameisenkollektivs der menschlichen Zukunft in behäbigem deutschen Kleinstadtmilieu an und läßt sie zu guter Letzt als Film-Windei aufplatzen. Der satirische Effekt hebt sich dabei selber auf, die unbeteiligte Neutralität des Erzählers läßt den Leser unbeteiligt. (Suhrkamp-Verlag, Frankfurt, 506 Seiten, 15,40 DM.)

Robert Payne: DER GROSSMOGUL. Abenteurer-Roman, angeblich aus dem Indien des 17. Jahrhunderts. Beziehungslose Exotik und Erotik. Der Autor ist durch ein ernstzunehmendes Buch über »Mao Tse Tung« bekanntgeworden. (Günther-Verlag, Stuttgart, 390 Seiten, 16,50 DM.)

Lin Yutang: CHINESENSTADT. Chinatown ist das St. Pauli New Yorks, wo die Touristen aus dem Mittelwesten Chop-suey mit Stäbchen essen und mit grazilen Chinesinnen die Reize des Ostens erleben. Lin Yutang, der chinesenblütige amerikanische Schriftsteller, Philosoph und UN-Abgeordnete, schildert das Leben einer chinesischen Einwandererfamilie in New Yorks Chinatown, die sich mit Waschen, chinesischer Küche und Konfuzius durch die Zivilisation rackert. Ein sehr good-will-missionarisches Bild des »Schmelztiegels« New York. (Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, 366 Seiten, 11,80 DM.)

Hans Joachim Lange: DIE MAUER VON MALLARE. Unproblematisches Erinnerungsbuch an die letzten Kriegstage in Oberitalien. Eine in Deutschland im Schnellverfahren aus Versprengten zusammengestellte italienische Division wird zur Partisanenbekämpfung und zum Küstenschutz eingesetzt, was ihrer Zusammensetzung abträglich ist. Obgleich ein desertierter Unteroffizier mit echt südländischem Pathos verurteilt und hingerichtet wird, geht allmählich die ganze Einheit zu den Kommunisten über. Der deutsche Verbindungsoffizier sieht sich schon lange seiner Aufgabe enthoben und tröstet sich einstweilen mit seiner langweiligen Leidenschaft zur ortsansässigen Malerin Claudia. Trotz der geschilderten Kriegs-Misere beschert das Buch eine angenehme Lektüre, weil der martialische Gegenstand in unkriegerische Etappen-Romantik getaucht ist: in viel Wein und in das bis zum bitteren Ende immer höfliche Lächeln der italienischen Offiziere und Kurtisanen. (Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, 440 Seiten, 13,40 DM.)

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