PAKISTAN Neue Vorwürfe gegen Ex-Premier
Der von der Todesstrafe bedrohte ehemalige Ministerpräsident Nawaz Sharif, 50, darf hoffen, doch noch dem Henker zu entgehen. Bisher hatte ihm der vor fünf Monaten durch einen Putsch an die Macht gekommene General Pervez Musharraf versuchten Mord, Flugzeugentführung und Terrorismus vorgeworfen. Doch es mangelt offensichtlich an Zeugen und Beweisen. Das Regime schob deshalb leichter zu belegende Korruptionsvorwürfe nach. Sharif wird nun angeklagt, Steuern hinterzogen und einen Kredit der staatlichen Nationalbank von Pakistan in Höhe von 27 Millionen Mark veruntreut zu haben. Die neuen Vorwürfe gelten als Zeichen dafür, dass Musharraf die Todesstrafe für Sharif vermeiden will - allerdings aus sehr eigennützigen Gründen. Der General scheint den Machtkampf mit der einflussreichen Anhängerschaft des gestürzten Premiers zu fürchten, zu der auch bedeutende Kräfte der Pakistan Muslimliga gehören, der ehemaligen Regierungspartei. Das Verfahren gegen Sharif soll neben dem Kaschmir-Konflikt ein zentrales Gesprächsthema zwischen dem neuen Machthaber und US-Präsident Bill Clinton sein, der während seiner Südasienreise in der kommenden Woche für wenige Stunden auch Pakistan besuchen will.