NEUES BAUEN
Betrifft Ihren Artikel »Köln - Du schönes Städtchen«. Den Theaterneubau »Kulturmeiler«, den Museumsneubau »Wallraf-Richartz-Werke« zu nennen, ist humoristisch, ist köllsch - aber das besagt nicht, daß das Publikum in Köln aufgeschlossener ist als anderswo.
Dem Nichtkölner, der oft nach Köln kommt, mußte auffallen, wie schnell die ablehnenden Spitznamen im Schwang waren, viel früher, als ein sachlicher Beurteiler sich ein Urteil bilden konnte.
Kurz nachdem die Äußerung des Bundeskanzlers («... Ich schlage Ihnen vor, das neue Wallraf-Richartz-Museum wieder abzubrechen ... Denn mit diesem Museum
machen Sie sich lächerlich in der ganzen Welt ...") bekannt wurde, war ich in Köln. Ich dachte, das muß ich sehen, und ist es wirklich so schlimm? Als ich dann auf der Westseite des Neubaues stand und die Front Kirche - Museum sah, fragte ich mich: Was wollen diese Leute denn? Das ist doch eine wunderbare Lösung!
Wie kann man das Problem übersehen, das aus dem nahen Beisammensein des Alten und des Neuen entsteht? Wie hätte man es
besser machen sollen? Daß man doch daran vorbeisehen kann, zeigt Ihr Photo von dem Neubau. Wenn das spitze Dach der Kirche weggelassen wird, wenn ein häßliches Verkehrszeichen mitten im Bild steht, sieht es anders aus, als es ist. Ich bin kein Photograph, aber ich glaube, daß mein Photo richtiger ist. Wer von »Sägezähnen« und »unsymmetrischen Fenstern« spricht, dem ist nicht zu helfen.
Krefeld FERDINAND SCHNEIDER
Der Architekt Schwarz kann Ihnen auf den Knien danken für die vornehme Zurückhaltung, welche Sie an den Tag legten. »Der Raum ist ein klingendes Gefüge« - dann gibt es also neben dem klassischen Wortgeklingel neuerdings auch ein Raumgeklingel, Sphärenmusik der »fortschrittlichen« Architektur. Übrigens: Wie sollte man es den lustwandelnden Kölnern verdenken, wenn sie in immer größerem Maße zu Schwarz-Sehern werden? Der Pessimismus des guten Geschmacks greift rapide um sich. Ja - und der Haupteingang des Gürzenich! Wissen Sie, was die vier Öffnungen symbolisch zu bedeuten haben? Es sind die fünf Sinne. Ja, aber es sind doch nur vier? Na klar, der Geschmack fehlt.
Köln WILHELM MEYER
Ich habe den Eindruck, Sie sind im Begriffe, viel Porzellan zu zerschlagen, indem Sie Ihre Kritik am augenfälligen, aber falschen Objekt versuchen und an den wirklichen Kölner Bausünden vorbeigehen. Gewiß, auch mir erscheinen die Schwarzschen Argumente vom schwingenden Raum und germanischen Raumgefühl »musizierend« im Ton vergriffen, aber das geht letzten Endes am Problem vorbei. Der Ansatzpunkt meines Widerspruchs ist unsere allgemeine Überbewertung der »Baudenkmäler«. Am Beispiel des Hahnentors läßt sich dies vielleicht etwas besser erklären. Dieses einst sicher sehr nützliche Stadttor verlor seinen Sinn mit der Erfindung des Schießpulvers. Warum soll es heute nicht einen neuen Zweck erfüllen, der sich möglicherweise auch äußerlich zeigt, statt es als Leichnam einer vergangenen Periode zur Schau zu stellen?
Köln-Bayenthal JOCHEN KELLER
Gegenüber der schöpferischen Kraft der Kölner Architekten kam Ihre Magazin -Nachricht um so weniger auf, als Sie Adenauer zum Zeugen rufen mußten.
Karlsruhe MAX HIMMELHEBER
Diplom-Ingenieur
Wallrot-Richartz-Museum
(SPIEGEL-Photo)
Wallraf-Richartz-Museum
(Schneider-Photo)