"Wer Englisch spricht, wird beleidigt" - was Pegida in Dresden anrichtet
Dieser Beitrag wurde am 18.10.2015 auf bento.de veröffentlicht.
Tausende Botschaften sind in den Twitter - und Facebook -Feed #IchbinDresden bereits eingelaufen – von Wissenschaftlern, Politikern, ganz normalen Bürgern. Dresdner haben Angst, dass der Hass viele Mitbürger aus der Stadt vertreibt. "Ausländer und Menschen, die anders aussehen, wurden in Dresden schon lange stärker angefeindet als in anderen Städten. Durch Pegida hat es sich noch verschlimmert", sagt Hubertus Grass. Der Ex-Grünen-Politiker hat die #IchbinDresden-Aktion mitinitiiert.
Die "#IchbinDresden"- oder auch "#HerzstattHetze"-Aktion hat in zwei Tagen bereits große Aufmerksamkeit bekommen. Jeden Tag besuchten 100.000 Menschen die Facebook-Seite des "Bündnisses für ein offenes Dresden, sagt Grass. Zuletzt stellte sich Sachsens Ministerpräsident Stansilaw Tillich an die Seite der #IchbinDresden"-Dresdner. "Wir haben die Übersicht verloren, wie viele Leute uns unterstützten".
Auch der Ruf der Stadt hat unter Pegida gelitten. Die Zahl der Touristen ist in den vergangenen Monaten eingebrochen. "Das kostet Dresden und Sachsen richtig viel Geld", fürchtet Grass.
Es ist auch kein Zufall, dass viele Forscher – etwa vom örtlichen Max-Planck-Institut – #IchbinDresden-Bilder posten. Die Wissenschaft ist stark international vernetzt und auf Talent aus dem Ausland angewiesen. Dass Dresden in der Welt nun mit pöbelnden Fremdenfeinden assoziiert wird, richtet ganz konkrete Schäden an. Grass erzählt vom Fall eines Wissenschaftlers aus den USA, der der Uni Dresden bereits zugesagt hatte: "Seine Frau, eine Lateinamerikanerin, schaute sich die Stadt nochmal an und bat ihren Mann, nicht dorthin ziehen zu müssen. Er ist dann nicht gekommen."