Normalverbraucher - DER SPIEGEL
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Briefe

Normalverbraucher
• aus DER SPIEGEL 10/1948
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Normalverbraucher

Ich bin zwar nicht die Partnerin eines Zauberkünstlers, die diesem nur eine Karte zureicht und dafür 1000 Zulagekarten? (Kalorien) erhält. ("Spiegel« Nr. 6) Ich bin aber im selben Beruf, und zwar als Ansagerin. Stehe zwei Stunden fast ununterbrochen auf der Bühne, muß stets einsatzbereit sein, habe Kürzungen oder Umstellungen im Programm schnell und geistesgegenwärtig zu überbrücken, verbrauche also ein Höchstmaß an Nervenkraft, bekomme aber nicht einmal eine Zulagekarte. Sprech- und Gesangsnummern, Zauberkünstler, Assistenten, Komiker bekommen keine Zulagen, da wir nicht körperlich arbeiten.

Lediglich Artisten, wie Akrobaten, Tänzer und ähnliche, erhalten Zulagen, die vom Gewerbeamt - nicht vom Arbeitgeber - bewilligt werden. Und dieses Amt sieht sich die Darbietungen sehr genau an. Es zieht dabei nicht in Betracht, daß wir alle stets reisen, nur in Gasthäusern leben und essen und daher mit einer Normalverbraucherkarte gar nicht auskommen können.

Durch den ständigen Wohnungswechsel bekommen wir meistens nicht die anderen Zuteilungen, wie Trockenmilch und Ei. Wir bekommen keine Gemüse- oder Obstkarte, sind also bedeutend schlechter dran als jeder andere Normalverbraucher.

Hamburg 21

LYDIA LEY-MÖLLER

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