Nothilfe
Kriegserinnerungen und Landser-Jargon durchzogen das Hamburger Hotel Mau während der Gründungsversammlung des »Verbandes ehemaliger deutscher Kriegsteilnehmer«. Nach den Verbandsstatuten soll jeder frühere Angehörige des Heeres, der Kriegsmarine, der Luftwaffe, der Waffen-SS, des Reichsarbeitsdienstes und der Organisation Todt sich wieder mit alten Kameraden zusammentun dürfen. Voraussetzung ist, daß er keine Kriegsverbrechen begangen hat. Hamburgs Kommunisten wittern eine Wiedergeburt des »Stahlhelm«. »Wir wollen nur den Aufbau einer kameradschaftlichen Nothilfe und Verständigung mit ausländischen Kriegsteilnehmern«, beschwichtigt Ex-Unteroffizier Hans Wernicke. Er hat zu seinem Geschäftsführerposten bei der Deutschen Partei jetzt noch einen Sitz im Kriegsteilnehmer-Gründungskomitee übernommen. Oberst a. D. v. Gärtner hatte den erstaunten Gründungsversammelten erklärt, es sei »nach wie vor süß, fürs Vaterland zu sterben«. Kriegsteilnehmer Oberst August van Nes erbot sich, bei seiner Schwester in Hamburg-Groß-Flottbeck, Reventlowstraße 19, die Namen von Interessenten zu sammeln. Seine Sammlung wird ein Muster ohne Wert sein. Die Hamburger Militärregierung gab bekannt, eine Lizenzierung des Verbandes werde unter keinen Umständen erfolgen.