NAMIBIA Null Toleranz
Ein Streit um das symbolträchtige Kulturzentrum in Okakarara, das an die Vernichtung der Herero durch deutsche Truppen vor 100 Jahren erinnern soll, belastet die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Windhoek. Die deutsche Helferin und einzige Weiße an der Spitze der Einrichtung, Almut Hielscher, hat ihren Job kurz vor Jahresende überraschend hingeschmissen. Sie wirft der einheimischen Projektleitung korrupte Praktiken vor. Der örtliche Chef soll öffentliches Eigentum, unter anderem das Dienstfahrzeug, privat genutzt haben. Im Gegenzug wird der Deutschen »rassistisches Verhalten« angelastet. Der namibische Oppositionsführer Ben Ulenga spricht von »alarmierenden Vorkommnissen«, zumal Staatspräsident Hifikepunye Pohamba beständig »null Toleranz gegenüber Korruption« fordert. Das vom Deutschen Entwicklungsdienst betriebene Projekt, das auch schon Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul besucht hat, wird von Deutschland mit über 500 000 Euro finanziert. Um die Zahlung weiterer 20 Millionen Euro als »Versöhnungsinitiative« gibt es seit Monaten Unstimmigkeiten zwischen Berlin und Windhoek.