VERBRECHEN / AUTODIEBSTAHL Nummern vom Schrott
Die Architekturstudenten Udo Rieser, 24, Dieter Schneider, 24, und Jörg Burghard, 23, aus Essen ließen ihren Kommilitonen Rolf-Joachim Schmidt, 22, nicht verkommen: Als Studiosus Schmidt letztes. Jahr beim Autodiebstahl erwischt und inhaftiert wurde, engagierten sie auf ihre Kosten für ihn einen Anwalt.
Jetzt haben sie selber Rechtsbeistand nötig. Burghard und Schneider wurden unter dem Verdacht des Kraftfahrzeugdiebstahls in Untersuchungshaft genommen; Rieser setzte sich in letzter Minute nach Frankreich ab.
Der Essener Kriminal-Hauptkommissar Hubert Thewissen über die Fähigkeiten der Jungakademiker: »Ihre Tricks waren so einfach und perfekt, daß wir sie nur durch komplizierte kriminaltechnische Untersuchungen entlarven konnten.«
Das Studenten-Quartett, das im April 1965 mit einer Leihwagen-Firma Pleite machte, hatte das Hauptproblem der Autodiebe, gestohlene Wagen als Diebesgut unkenntlich zu machen, auf geniale Weise gelöst:
Nach den polizeilichen Ermittlungen kauften sie bei Schrotthändlern Unfallfahrzeuge mit den dazugehörenden Papieren billig auf und schnitten die Fahrgestellnummern die beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg registrierten Kennzeichen der Autos -- mit Schneidbrennern aus den Chassis. Dann stahlen sie Typen derselben Serie und ersetzten deren Fahrgestellnummern durch die herausgeschnittenen.
Die Freizeitmechaniker, die in gemieteten Garagen und mit Hilfe zweier Fachleute ihre Beute umfrisierten, arbeiteten so exakt, daß »selbst Straßenverkehrsämter und der Technische Überwachungsverein die gestohlenen Autos bei Kontrollen für echt befanden« (Thewissen).
Studiosus Rieser, 1,62 Meter groß, schmächtig und nach Ansicht der Polizei Chef der Auto-Friseure, tarnte sich überdies auf den Beutezügen gelegentlich mit Frauenkleidern, Stöckelschuhen und Perücken, um -- wie seine geständigen Komplicen der Essener Kripo verrieten -- »mögliche Spuren zu verwischen«.
Mitunter entdeckten die Studenten unter den Schrottautos auch Vehikel mit intaktem Fährgestell. Sie brauchten dann nur die zerbeulten Karosserien gegen die unbeschädigten Auf bauten gestohlener Wagen auszutauschen, ehe sie ihre heiße Ware bei Händlern mi Ruhrgebiet oder, über Mittelsmänner, im Ausland absetzten. Innerhalb von anderthalb Jahren verkauften sie 36 gestohlene Automobile. Erlös: fast 150 000 Mark.
Essens Kripo fand die sorgfältig getarnte Spur der Autodiebe ganz zufällig. Als die Polizei eine Bande Jugendlicher faßte, die geparkte Autos ausraubte, gestanden die Knacker auch Auftragsarbeiten: Für ein Honorar von jeweils 100 Mark hatten die Teenager zweimal ein Auto für die Studenten gestohlen.
Die Kriminalisten griffen gerade noch rechtzeitig zu, bevor die Studenten ihr Autogeschäft auf eine breitere Basis stellten.
Die Jungakademiker, die bislang vornehmlich Volkswagen umbauten, waren eben dabei, sich auf Automobile der Marke Opel zu spezialisieren: Bei neueren Wagen dieses Typs steht die Fahrgestellnummer auf dem Typenschild, das im Motorraum befestigt ist und ohne Schneidbrenner ausgewechselt werden kann.