Nur die Harten komm'n in'n Garten - DER SPIEGEL
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Briefe

Nur die Harten komm'n in'n Garten
• aus DER SPIEGEL 36/1999
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nur die Harten komm'n in'n Garten

Nr. 34/1999, Karrieren: Privat-TV-Sender profitieren von der Arbeitswut junger Berufseinsteiger

Hier wird wunderbar klar und deutlich, mit was für Bonsai-Intellektuellen wir es bei manchen Privatsendern zu tun haben. Und ebenso klar und deutlich wird, dass obige Sender einem Jugendkult und Jugendwahn verfallen sind, den ich nur als hochgradig neurotisch empfinden kann. Nun gut, ich bin Jahrgang '45 und gehöre, natürlich, nicht jener Zielgruppe an, die sich der größenwahnsinnige »Bureau chief« Calsow, 29, auf seine Sat-1-Fahne gepappt hat. Aber Achtung und Warnung. Dieses permanente Leben auf der Überholspur der TV- und Online-Junkies da in leitender Position in ihren klimatisierten Studios wird Opfer fordern: Drogen, Tabletten, Alkohol, Depressionen und Ängste werden für viele so genannte jugendliche TV-Macher tägliche Begleiter werden. Einige werden dabei, pardon, draufgehen. Viele Macher und Macker werden einige Betten in einschlägigen psychosomatischen Kliniken voll machen. Und andere, wie angenehm, werden Bio-Bauern in der Toskana. Und wer bleibt übrig? Klar: Nur die Harten komm'n in'n Garten.

BAD ZWISCHENAHN (NIEDERS.) H.-D. SCHMIDT

»Die vom Radio sind Schnarcher«, sagt RTL-Moderatorin Claudia Hessel. Woher sie das nimmt, ist mir schleierhaft; gerade beim Radio müssen Moderatoren heute unglaublich viel leisten. Sie sind nämlich nebenbei noch Techniker und müssen ihre Sendungen selbst fahren. Man muss nicht anderer Leute Licht auspusten, um das eigene leuchten zu lassen.

HAMBURG ULF ANSORGE

SAT 1: »17:30 LIVE AUS HAMBURG«

Die beschriebenen Praktiken kann ich bestätigen, leider wirken sie sich verheerend auf die journalistische Qualität aus. Im Vorgespräch wird schnell deutlich, dass der Fragesteller das Interview nicht vorbereitet hat, seine Allgemeinbildung eigentlich nur über Lücken verfügt und möglichst jedes Thema auf Sensation getrimmt werden soll. Ein Bekannter hat ein Interview abgebrochen, als die Fragestellerin seinen gängigen Namen auch im dritten Anlauf nicht fehlerfrei mit Titel aussprechen konnte. Ich habe ein »Live«-Interview viermal aufzeichnen müssen, da die Journalistin die Fragen nicht mal vom Teleprompter ablesen konnte. Den Vogel schoss eine Produktionsfirma für RTL ab: »Jetzt brauchen wir noch ein 30-Sekunden-Statement. Bitte sagen Sie ungefähr ... Ich überlege mir gleich mal die Frage dazu.«

HAMBURG JÖRN MÜLLER

PASTOR, BEAUFTR. F. WELTANSCHAUUNGSFRAGEN

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