Nur Mut - DER SPIEGEL
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FREIHANDELSZONE Nur Mut

• aus DER SPIEGEL 31/1958
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Daß auch französischen Unterhändlern wirtschaftspolitische Zugeständnisse abzuringen sind, wenn nur hart genug mit ihnen verhandelt wird, stellte die deutsche Delegation bei der letzten Ministerratssitzung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) mit einigem Staunen fest. Bisher hatte sich Frankreich beharrlich geweigert, einer Erweiterung der kleineuropäischen Zollunion (Frankreich, Deutschland, Italien und Benelux) um eine sogenannte Freihandelszone mit elf weiteren europäischen Staaten zuzustimmen, deren Erzeugnisse künftig ebenfalls zollfrei in die EWG-Länder importiert werden sollten.

Wäre es bei diesem Nein Frankreichs zur Freihandelszone geblieben, so hätte Europa in zwei einander feindliche Wirtschaftsblöcke auseinanderfallen können: in die sechs EWG-Länder einerseits und die übrigen elf Staaten. Um diese drohende Spaltung zu verhindern, mußten der französischen Delegation die Konsequenzen in aller Deutlichkeit vor Augen geführt werden.

Die zur Verhandlung mit Frankreichs Außenminister Couve de Murville über das Schicksal einer europäischen Freihandelszone notwendige Härte brachte indes nicht der aus seinem Sommerurlaub nach Paris geeilte Ludwig Erhard auf, vielmehr taten das die vor der Verhandlungszimmertür wartenden Engländer.

Sowohl Premierminister Macmillan als auch sein Sonderminister Maudling drohten unverblümt an, die Freundschaft zwischen London und Paris werde schnell abkühlen, wenn Frankreich sich weiter dagegen wehre, die kleineuropäische EWG in die größere und einzig sinnvolle Gemeinschaft der Freihandelszone einzubringen. Für den Fall, daß die Verhandlungen scheitern sollten, kündigte Maudling an, er werde den Vorsitz im Ministerrat der OEEC* niederlegen. Entgegen der Stimmung im eigenen Regierungslager pfiff Regierungschef de Gaulle daraufhin seine störrischen Unterhändler zurück. Couve de Murville zog Frankreichs Veto

- gegen das Freihandelszonenkonzept der OEEC über die Behandlung von Importen, die aus dritten Ländern über die Freihandelszone in die EWG gelangen und

- gegen den gleichzeitigen Beginn von EWG und Freihandelszone mit einer jeweils zehnprozentigen Zollsenkung am 1. Januar nächsten Jahres

zurück. Der OEEC-Ministerausschuß, der seit März durch Frankreichs Haltung aktionsunfähig gewesen war, konnte daraufhin seine Verhandlungen wieder aufnehmen.

Westdeutschlands Vertreter, die sich bisher bei allen europäischen Gesprächen nur durch übermäßige Rücksichtnahme auf französische Nöte hervorgetan hatten, registrierten das Ereignis nicht ohne Verblüffung. Gegenseitig sprachen sie sich Mut zu, es ein andermal den Engländern gleichzutun.

* Zur OEEC - Europäischer Wirtschaftsrat - gehören sowohl die sechs EWG-Länder als auch die elf Mitglieder der geplanten Freihandelszone.

Freihandelszonen-Minister Maudling: Klare Sprache gegenüber Paris

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