Nutzlose Geste?
Franz Alts leidenschaftliche Rubrik wirklich in allen Ehren. Nur:
Es gebe sich doch keiner der Hoffnung hin, daß Chile ohne U-Boote, daß die Saudis ohne Panzer auskommen müßten, wenn wir nein sagen. Die einzige Konsequenz wäre, daß ein anderes Land sie schickt.
Was wäre damit für den Frieden gewonnen? Nichts! Was wäre damit für die Bundesrepublik verloren? Wichtige umfangreiche Exportaufträge.
Ist das die faktisch nutzlose Geste wert?
»Die Dritte Welt braucht einiges von uns. Waffen nicht!« Das ist Franz Alts Meinung. Vielleicht sogar die meine. Aber die Führer dieser Länder (mit welcher Legitimation auch immer) sind da doch offensichtlich anderer Meinung. Und mit welcher Legitimation entscheiden wir denn, was sie brauchen -- und was nicht?
Wir können doch nicht immer einerseits von Mündigkeit und Selbstverantwortung reden und dann andererseits mit erhobenem abendländischem Zeigefinger sagen: »Aber Waffen kaufen: das dürft ihr nicht!« Irgend etwas stimmt da nicht.
Ferner: »So kann es nicht weitergehen: Milliarden für die Rüstung in der Dritten S.9 Welt und ein paar Millionen für die wirtschaftliche Entwicklung.« Dieser Vergleich stimmt doch nicht.
Natürlich können wir auf die Verwendung der Millionen unserer Entwicklungshilfe einen gewissen Einfluß ausüben. Nicht jedoch auf den Staatshaushalt der betreffenden Länder, aus dem die Waffenkäufe bezahlt werden. Es sind souveräne Länder.
Und letztlich: Mir scheint, daß von den engagierten Moralisten stets eins übersehen wird. Schuld ist nicht das Messer, sondern der Mörder! Das soll heißen: Grund für kriegerische Konflikte ist doch nicht das Vorhandensein von Waffen, sondern der Wille eines Staates, seine Position mit Gewalt durchzusetzen.
Solange es keinen weltweiten Waffenboykott gibt -- und es wird ihn nie geben --, ist es einem kriegswilligen Staat immer möglich, sich die nötigen militärischen Mittel zu beschaffen.
Und wenn es einen Waffenboykott gäbe: Mit welchem Recht hätten wir dann »waffentragende« und »unbewaffnete« Nationen? Und wo würde entschieden, wer wozu gehören dürfte.
Je weiter man diesen Gedanken denkt, desto utopischer wird er.
Hemau (Bayern) PETER MODELL Oberstleutnant