Nutzloses Verfolgen von Junkies - DER SPIEGEL
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Briefe

Nutzloses Verfolgen von Junkies
• aus DER SPIEGEL 2/2001
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Nutzloses Verfolgen von Junkies

Nr. 52/2000, Drogen: Crack - aus den US-Ghettos auf den deutschen Straßenstrich

Mindestens die Hälfte aller Crack-Konsumenten befinden sich in Methadon-Programmen. Viele fangen dort überhaupt erst mit Crack an, weil sie kein Heroin mehr brauchen und deswegen Zeit und Muße dafür haben. Langjährige Erfahrungen in unserer Praxis zeigen, dass tägliche Arztgespräche und gegebenenfalls stationäre Teilentgiftungen dies verhindern können. Einige springen zwar ab, leben aber im Zweifel gesünder, wenn sie statt Methadon wieder Heroin nehmen und dadurch weniger Geld für Crack übrig haben. Die »akzeptierende Drogenarbeit«, die in den meisten Methadon-Programmen den Ton angibt, lehnt dieses Vorgehen als zu repressiv ab. Die Krankenkassen zahlen lediglich vier Arztgespräche und Drogenscreenings pro Quartal. Crack wird diese Ideologen und Sparkommissare hoffentlich bald zur Vernunft bringen.

FRANKFURT AM MAIN JOACHIM F. GRÜNER ARZT FÜR NEUROLOGIE U. PSYCHIATRIE

Es gibt eine praktikable Lösung: ähnlich wie bei dem Abtreibungsgesetz könnten staatliche Drogenberatungsstellen geschaffen werden, die nach einer gründlichen Aufklärung einen »Schein zum straffreien Drogenbesitz« ausgeben, mit dem der Konsument in lizenzierten Läden die Droge zum Herstellungspreis erhält. Die Nachfrage würde kaum steigen, der Staat käme seiner Fürsorgepflicht nach, die Süchtigen könnten vergleichsweise normal und integriert weiterleben, und die Polizei könnte sich echten Verbrechen zuwenden, anstatt Junkies nutzlos zu verfolgen. Eine einfache und praktizierbare Idee, die wohl wieder daran scheitern wird, dass Deutsche üblicherweise nach staatlicher Gewalt rufen und damit den Herstellern und Lieferanten satte Gewinne bescheren: auf Kosten der Gesundheit tausender Jugendlicher.

BONN DAVID SCHLESINGER

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