O Tannenbaum - DER SPIEGEL
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Briefe

O Tannenbaum
• aus DER SPIEGEL 50/1981
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

O Tannenbaum

(Nr. 47-49, SPIEGEL-Serie: »Das stille Sterben - Säureregen zerstört den deutschen Wald")

Wir können beinahe schon resignieren, wenn wir uns die Folgen dieser Entwicklung vor Augen führen.

Marienmünster (Nrdrh.-Westf.) BERNHARD STECKER, Forststudent THOMAS STRAKMANN, Forstpraktikant

Die verschiedenen Schadbilder machen sich auch in den Ausläufern des Wiehengebirges an Laubbäumen und Koniferen bemerkbar. Im Bereich der Stadt Bramsche wurde eine Abfall-Verbrennungsanlage errichtet. Die Luftverschmutzung ist teilweise so gravierend, daß das Einatmen der Luft zu bestimmten Zeiten fast nicht mehr möglich ist.

Bramsche (Nieders.) HEINZ BÜHRMANN, Baumschule

Gott sei Dank, daß die Verursacher, diese Verbrecher, auch den Dreck fressen müssen.

Pappenheim (Bayern) KARL-FRIEDRICH HÜFTLEIN

Heute vernichten wir die Fichten. Wann vernichten wir den Menschen?

Hamm (Nrdrh.-Westf.) ULF ROSENBAUM

Ich bin eigentlich froh, daß ich schon 61 bin. Die paar Jahre kriege ich auch noch herum. Den Verantwortlichen aber gönne ich schlaflose Nächte mit Alpträumen.

Forst (Rhld.-Pf.) HANS GÜNTER LEWANDOWSKI

Über allen Gipfeln ist Ruh, in allen Wipfeln spürest du kaum einen Hauch; Die Vögelein schweigen im Walde. Warte nur, balde ruhest du auch (Goethe).

Oer-Erkenschwick (Nrdrh.-Westf.) KLAUS PLÖGER

Die Worte des Waldpropheten und Hirten Matthias Stormberger aus dem Bayerischen Wald sagen: »Das Holz wird so teuer wie das Brot.«

Nürnberg GERALD DEISTLER

Zärtlich wird der letzte Erdenbürger über das Tischchen aus Ulmenholz streichen, hinausschauend auf das gespenstische Grau. Rundherum das leise Knispeln unzähliger Ratten, die sich dieser neuen Umwelt angepaßt haben werden.

Köln CHRISTIANE SEIFFERT

Und was tun unsere kleinkarierten Politiker?

Dietersheim (Bayern) FRED KOHLER

Die Verantwortungslosigkeit der sogenannten Verantwortlichen in Bonn (CDU und SPD) bringt mich zur schieren Verzweiflung. Die Logik dieser Ressort(sprich Scheuklappen)-Politiker ist die: vollbeschäftigt in den Untergang!

Hamburg THOMAS BUCHHOLZ

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, als Bürgerin unserer Republik nehme ich Sie beim Wort: »Schaden abzuwenden«!

Allensbach (Bad.-Württ.) LUISE HOLLÄNDER

Damit es schneller geht, läßt Herr Börner drei Millionen Bäume fällen!

Bremerhaven CARL EDUARD ZAHN S.8

Die Frage wäre, ob der SPIEGEL jetzt bereit ist, die Konsequenzen aus dieser begrüßenswerten Veröffentlichung zu ziehen. Das heißt, die Dämonisierung der friedlichen Nutzung der Kernenergie aufzugeben, denn für mich bleibt keine andere Lösung, als daß nunmehr die Sonnenenergie dynamisiert in allen Einzelheiten erforscht wird und marktgerecht angeboten wird.

Hier müssen insbesondere die regel- und installationstechnischen Probleme gelöst werden, so daß man in der Kombination von Sonnenenergie und Strom die Heizung und die Warmwasserbereitung bestreiten kann. Dies bedeutet aber den Zubau von Kernkraftwerken mit der notwendigen Sicherheit und der dringend erforderlichen Entsorgung.

München JOSEF GRÜNBECK, MdL. Energiepolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion in Bayern

Der Bund Naturschutz in Bayern fordert den Ausstieg aus der Kernenergie, damit genügend Investitionskapital für Energiesparmaßnahmen und Abgasfilteranlagen frei wird. Das Problem des Waldsterbens ist viel zu ernst, als daß es von Kernkraftbetreibern zu billigen Werbezwecken ausgeschlachtet werden sollte.

Bamberg DR. LUDWIG TRAUTMANN

Der Wald stirbt, weil sich die Industrie keine Filter leisten kann. Soll das ein Witz sein?

Zürich WILLIAM MÖRITZ

Es haben sich bereits Landesparlamente ebenso wie die Arbeitsgruppe für Umweltfragen der SPD-Bundestagsfraktion, deren Vorsitzende ich bin, mit der Sache befaßt. Ich bin Ihnen für Ihre Artikelserie äußerst dankbar, brauchen wir Umweltpolitiker doch noch dringender als andere den Druck einer wach gewordenen Öffentlichkeit.

Bonn DR. LIESEL HARTENSTEIN, MdB/SPD

Als Instrument zur Bekämpfung des »sauren Regens« wurde der vom Bundesinnenminister kürzlich vorgelegte Entwurf einer Novellierung der »Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft - TA Luft« »epriesen. Bei näherem Hinsehen muß man feststellen: »Regen« gibt« » es in dem Entwurf überhaupt nicht, folglich auch keine » » Schadstoffablagerung durch Regentropfen; Einzige » » Berechnungsmethode für Schadstoffkonzentrationen am Boden ist » » ein Modell, das es gestattet, Luftverschmutzungsprobleme » » alleine durch Erhöhung der Schornsteine zu lösen; » » Inversionswetterlagen, auch dem Laien inzwischen ein Begriff, » » werden nicht berücksichtigt; kurzzeitige hohe » » Spitzenbelastungen durch Schadstoffe spielen bei » » Genehmigungen praktisch keine Rolle mehr (wie noch in der » » gültigen TA Luft 1974). Liesel Hartenstein Zum »Schutz von » » Tieren und Pflanzen« heißt es unter anderem, daß » » »Beeinträchtigungen ... in der Regel ... unzumutbar« sind, » » wenn »ein Gebiet ... durch bestimmte Luftverunreinigungen » » noch nicht in einem Maße geprägt (ist), daß die Schädigung » » empfindlicher Tiere und Pflanzen ortsüblich ist«. »

Hamburg DR. J. WUCKNITZ Wissenschaftlicher Angestellter bei der Behörde für Bezirksangelegenheiten Naturschutz und Umweltgestaltung

Unsere Gesellschaft ist ein gigantischer Reparaturbetrieb. Und so kommt wohl auch unser Existenzgarant »Wald« nicht umhin, Opfer des menschlichen Prinzips zu werden: Erst mal Scheiße bauen und dann hektisch und wenig effektiv an den Konsequenzen rumzufummeln.

Neckargemünd (Bad.-Württ.) HELGE SCHWEIZER

Der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, Bürgermeister Hans-Georg Primus, telegraphierte an Bundesinnenminister Gerhart »aum: Das Nachrichtenmagazin SPIEGEL hat in seiner jüngsten Ausga"e » überzeugend auf die verheerenden Auswirkungen der Immissionen » » auf den Wald hingewiesen und damit das Anliegen der » Forstwirtschaft aufgegriffen ...

» Der Deutsche Forstwirtschaftsrat appelliert daher dringend an » » Sie, beim Vollzug des Bundesimmissionsschutzgesetzes, » » insbesondere bei der Änderung der TA-Luft und bei der » » angekündigten Verordnung über Großfeuerungsanlagen, im » » Interesse der Allgemeinheit die Voraussetzungen für die » » Erhaltung eines gesunden Waldes zu schaffen. »

Rheinbach (Nrdrh.-Westf.) STAHL Deutscher Forstwirtschaftsrat e. V.

Weg mit Waffen - baut bessere Schlote, Genossen!

Flörsheim (Hessen) HEINZ HERGENHAHN

Was ist das für eine Politik, die für Einzelziele die Lebensgrundlagen vor die Hunde gehen läßt? An wen können sich unsere Enkelkinder wenden?

Berlin ALBRECHT GEUTHER

Das Baumsterben ist die Folge eines Jahrzehnte unterlassenen Einbaus von Filteranlagen.

Bayreuth CHRISTOPH SPERL

Auch wenn die Autoren Ihrer Titelgeschichte viele Krankheitssymptome der deutschen Hauptwirtschaftsbaumarten mit dem, in seiner Ursache sehr komplexen, Tannensterben gleichsetzen und einheitlich auf schädliche Umweltein- und -ausflüsse zurückführen, so gebührt ihnen doch uneingeschränkt das Lob, sich auf einem Gebiet Verdienste erworben zu haben, wo die Forstpartie noch viel zu lernen hat: Forstliche Öffentlichkeitsarbeit!

Genf RICHARD FUHS Diplom-Forstwirt, United Nations Economic Commission for Europe

Die Probleme, die wir uns (global) mit der Zerstörung unserer Umwelt geschaffen haben, sind nicht mehr kompromißfähig!

Soest (Nrdrh.-Westf.) MARTIN ENDERLE

S.8

»Regen« gibt es in dem Entwurf überhaupt nicht, folglich auch keine

Schadstoffablagerung durch Regentropfen; Einzige Berechnungsmethode

für Schadstoffkonzentrationen am Boden ist ein Modell, das es

gestattet, Luftverschmutzungsprobleme alleine durch Erhöhung der

Schornsteine zu lösen; Inversionswetterlagen, auch dem Laien

inzwischen ein Begriff, werden nicht berücksichtigt; kurzzeitige

hohe Spitzenbelastungen durch Schadstoffe spielen bei Genehmigungen

praktisch keine Rolle mehr (wie noch in der gültigen TA Luft 1974).

Liesel Hartenstein Zum »Schutz von Tieren und Pflanzen« heißt es

unter anderem, daß »Beeinträchtigungen ... in der Regel ...

unzumutbar« sind, wenn »ein Gebiet ... durch bestimmte

Luftverunreinigungen noch nicht in einem Maße geprägt (ist), daß die

Schädigung empfindlicher Tiere und Pflanzen ortsüblich ist«.

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S.9

Das Nachrichtenmagazin SPIEGEL hat in seiner jüngsten Ausgabe

überzeugend auf die verheerenden Auswirkungen der Immissionen auf

den Wald hingewiesen und damit das Anliegen der Forstwirtschaft

aufgegriffen ...

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat appelliert daher dringend an Sie,

beim Vollzug des Bundesimmissionsschutzgesetzes, insbesondere bei

der Änderung der TA-Luft und bei der angekündigten Verordnung über

Großfeuerungsanlagen, im Interesse der Allgemeinheit die

Voraussetzungen für die Erhaltung eines gesunden Waldes zu

schaffen.

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