O tempora, o mores!
(Nr. 30/1997, Regierung: Die Manager als Großkritiker des politischen Systems)
Herr Henkel ist offenbar auch einer der Manager, die der einfachsten und bequemsten Art des Managens frönen, dem Befehlen. Dieser Managertyp ist aber viel eher der Grund für die wirtschaftliche Misere in Deutschland als unser politisches System. Denn in vielen deutschen Firmen sucht halt das Management nicht den Konsens mit den Mitarbeitern, macht sich nicht mehr die Mühe, die Mitarbeiter zu motivieren, und fördert nur noch Leute, die nicht widersprechen. Solche Strukturen fördern aber weder Innovationen noch realistische Planungsdaten für unternehmerische Aktivitäten.
PUCHHEIM (BAYERN) JOHANN STADLMANN
+
Henkels Angriffe gegen unser bewährtes föderalistisches System wegen der »Blockade« von Gesetzesvorlagen durch den Bundesrat kann ich nur als absurdes Theater einstufen. Sind es doch sein Industrieverband und die mit ihm im Gleichschritt marschierenden mächtigen Lobbyistenverbände, die die Bundesregierung in Finanzmisere und Gesetzgebungsnotstand gedrängt haben. Unser Glück, daß der Bundesrat und selbst die in ihm vertretenen Wirtschaftsfreunde nicht alle Fehlentscheidungen mitzumachen gewillt sind.
FREIBURG-KAPPEL FRED EPSTEIN
+
Als sich vor 30 Jahren Intellektuelle auf der linken Seite rührten und Systemkritik an der BRD übten, brach eine Hetz- und Diffamierungskampagne schlimmster Art gegen sie aus. Wenn heutzutage ein Verbandsführer der Industrie von rechtsaußen mehr oder weniger versteckt zum Bruch mit der Verfassung zugunsten hemmungsloser Gewinnmaximierung aufruft, heißt das, fast rührend, er habe »öffentlich nachgedacht über die Fähigkeit unseres politischen Systems'...« (SPD-Mann von Dohnanyi). O tempora, o mores!
BRUNSTORF (SCHLESW.-HOLST.) REINHOLD GÜNTHER
PASTOR
+
Was sonst soll so eine politische Gesell- schaft sein als eine Aktiengesellschaft? Wir, die Steuerzahler, sind die Shareholder, und auf den Aktien der Deutschland AG steht »Einkommensteuererklärung«. Heißt: Wir geben dem Vorstand des Unternehmens Deutschland, sprich der Regierung, Geld, damit sie uns damit Vorteile erwirtschaftet. Was ist an dieser politischen Aktiengesellschaft so schlimm?
ATTENKIRCHEN (BAYERN) DR. WALTER GRÄNZER