Okada - DER SPIEGEL
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Okada

• aus DER SPIEGEL 27/1951
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Okada, 58

Der 75 Jahre alte Graf Makino fährt verschlafen von dem auf den Mattenboden des Hotelzimmers gebreiteten Bett hoch. Draußen sind deutlich Schüsse zu hören, sehr nahe sogar. Makino, der so vielen Attentaten, Bomben-, Revolver- und Dolchattentaten, entgangen ist, braucht nicht lange zu überlegen, was die Stunde geschlagen hat. Auch wenn der alte Mann, der sich hier im Schwefelbad in den Bergen von Miyanoshita vom anstrengenden Palastdienst in Tokio erholt, noch müde ist vom gestrigen Bad in der kochenden, starken Thermalquelle.

Er springt auf. Gleichzeitig stürzt die Pflegerin des alten Mannes mit seiner Enkelin Kazuko, die im Nebenraum schliefen, ins Zimmer. Der alte Graf hat nur einen persönlichen Schutzmann bei sich, allerdings einen in vielen kritischen Situationen erprobten Jiu-Jitsu-Meister und Preisschützen. Er schlief - oder wahrscheinlich schlief er gar nicht - im Vorraum des kleinen Pavillons, wo Graf Makino mit seinen Angehörigen wohnt, dort, wo jetzt die Schüsse peitschen.

Die drei kombinieren. Es ist höchste Zeit. Das Geknatter draußen kommt näher. Eine Kugel schlägt klatschend durch die pappeverkleidete Wand des eleganten Raumes. »Kein Licht anknipsen« flüstert der alte Graf. Pflegerin und Enkelin reißen ihn rückwärts, schieben ihn zum ebenerdigen Fenster hinaus und über die Mauer des schmalen Gartenstreifens, der zwischen dem Haus und der unmittelbar dahinter steil ansteigenden Felswand eingeklemmt liegt.

»Hier hinauf, schnell, der einzige Weg!« flüstert die 17jährige Kazuko dem Großvater zu. Beide Frauen schieben den keuchenden Greis ein enges schneeglattes Felsband hinauf, zwischen hängenden Baumwurzeln und dichtem Gestrüpp. Jetzt sind sie schon so hoch wie der Dachfirst des Hotelpavillons, aus dem sie eben flüchteten »Höher, noch höher, wir können nur über den Berg dort oben entkommen«, wispert Kazuko dem erschöpften Greis zu.

Der aber steht jetzt und starrt mit aufgerissenen Augen in die Tiefe. Auch die beiden Frauen blicken jetzt wie angewurzelt dort hinunter Flammen knistern plötzlich auf. Unter ihnen, nur einige Dutzend Meter von ihrem dunklen glitschigen Standort in der Felswand des Waldtals entfernt, schlagen die Flammen aus dem Pavillon, den sie eben verließen. Mit flackerndem Feuerschein züngeln die aufheulenden Garben aus dem aus Holz und Papier erbauten Haus.

Im Feuerschein sehen die drei in der Felswand dort unten eine Gruppe feldmarschmäßig ausgerüsteter Soldaten, die schreiend das brennende Haus umstellen. Einer kniet neben einem auf dem Rücken liegenden Offizier Weiter rückwärts liegen noch ein paar reglose Gestalten. Und dort, wo jetzt die aus dem Gebälk flackernden Flammenzungen ihren Schein hinwerfen, vor dem Eingang des brennenden Hauses liegt mit dem Gesicht zur Erde der Schutzpolizist des Grafen. In der verkrampften Hand noch die Pistole.

Jetzt hören sie auch das gellende Schreien der Soldaten durch das Getöse der Flammen, deren Hitze und Rauchschwaden ihnen ins Gesicht schlagen. »Räuchert ihn aus. So muß er herauskommen oder verbrennen«, rufen sie.

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