Ole! - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 80 / 90

Briefe

Ole!
• aus DER SPIEGEL 23/1988
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ole!

(Nr. 21/1988, Spanien: SPIEGEL-Redakteur Helmut Sorge über die wiederauflebende Stierkampfbegeisterung und den neuen Helden, genannt »Espartaco") *

Da wird nun mit Vehemenz in Spaniens Arenen ein Tierquäler namens Espartaco gefeiert, der, diabolisch gezüngelt und mit vornehmlich machoartig masturbierender Attitüde nebst primitiv billiger, materieller Gier, einen an sich harmlos stolzen Stier, zur Freude auch sich aufgeilender Weiber, niederkämpft. Man möge den Hasardeur Espartaco sozusagen als »Casus belli« seinesgleichen zur Verfügung stellen, damit ihm dann bei zuzufügenden Verletzungen die Schranken zwischen Leben und Tod mal so richtig tiefgreifend aufgezeigt werden. Köln KARL-AUGUST PÜTZ

Ich würde mir niemals einen Stierkampf ansehen, außer wenn ich bereits vorher wüßte, daß der Stier der Sieger bleibt. München KARL BRAUN

Das war der beste Bericht über die Corrida. Ohne Polemik, sehr gut beobachtet und ohne die sonst übliche negative Beschreibung in deutschen Zeitungen. Weinstadt (Bad.-Württ.) KLAUS R. PIEFKE

Der Stierkampf, das letzte vorchristliche Ritual, das uns zivilisationskastrierten Angsthasen das ganze Ausmaß der unabänderlichen Vergänglichkeit unseres Seins in 20 Minuten brutal vor Augen, Nase und Ohren führt. Karlsruhe PHILIPPE HEGL

Potenzschwierigkeiten und Männlichkeitswahn zeitigen gelegentlich Abnormitäten. Hemingway und Picasso als Anhänger des Stierkampfes sprechen nicht gegen diese These. Ketzer behaupten, der Stier lebe vier Jahre wie ein Fürst und stürbe dann 30 Minuten. Unsere Nutztiere in Deutschland - Hennen, Kälber, Schweine, Bullen - hingegen stürben in quälerischer Haltung von der Geburt bis zum Ladentisch. Wie wahr! Moers (Nrdrh.-Westf.) H.G. RAUBACH Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Tierschutz

Ein perfekter Stierkampf ist allemal besser als ein Fußballänderspiel mit Elfmeterschießen. Bei einer Corrida sterben in der Regel nur die Stiere würdevoll; es gibt kein Massensterben wie in Brüssel, wo 39 Menschen durch viehische Fußballfans qualvoll umkamen. Bevor man den Stierkampf verbietet, sollte man die Fußballbarbaren in den Stadien ausrotten. Der britische Europa-Abgeordnete Richard Cottrelle, der sich für die Abschaffung des Stierkampfes einsetzt, sollte vor seiner eigenen Tür fegen. Die Fuchsjagd und die Einreise mörderischer Fußballfans Britanniens in die Fußballwelt sollte er verbieten lassen. Münster RAINER JECZYK

Am Leben erhalten wird das blutige Gemetzel nicht zuletzt von Touristen,

die ihren daheim zu Recht eingeschränkten Sadismus hier kitzeln lassen. Das Madrider Stierkampf-Museum bewahrt übrigens ein Plakat auf mit der Ankündigung, daß Heinrich Himmler zu Ehren sechs Stiere gemeuchelt würden. Der deutsche Bund gegen den Mißbrauch der Tiere unterstützt spanische Tierfreunde mit dem beigefügten Aufkleber bei ihrer Arbeit. Madrid WOLF HANKE Korrespondent der ARD

Der Stierkampf bleibt ein barbarisches Gemetzel. Selbst wenn Könige und Prominente sich daran ergötzen, bleibt er eine perverse Tierschinderei. Es sei daran erinnert, daß Spanien ein EG-Land ist und als solches die Verpflichtung einging, auch tierschützende Bestimmungen einzuhalten. Also: Entweder Einhaltung oder raus aus der EG. Hamburg RITA und HANS-A. RODEWALD

Daß Ihr Redakteur in Marbella zum Stierkampf ging, zeigt doch schon, daß er keinerlei Ahnung hierüber besitzt. Es gibt drittklassige Arenen, nicht einmal hierzu gehört die Touristen-Arena von Marbella! Wäre er doch nur nach Pamplona gekommen, dann hätte er sehen können, daß sich die Kampfstiere schon Tage vorher hier befinden und daß auf keinen Fall trunkene Touristen mit diesen Stieren laufen! Ole! Flensburg AXEL URBAN

Was sich austobt in den Arenen, ist die stumpfe Roheit psychisch devianter Individuen. Nur tote Seelen verlangt''s nach Qual und Leichen - Tierleichen erfüllen diese Funktion auch. Leider. Mannheim MARGOT SINN _("Die Mißhandlung der Tiere ist weder ) _(Sport noch Vergnügen! Spanien - Ja, ) _(Stierkämpfe - Nein!« )

Alle Anstrengungen bleiben ungelohnt. Am Ende jeden Kampfes wartet immer der Bratrost, und er wartet ungerechterweise immer auf den Stier. Um den Stierkampf lebendiger zu machen, braucht der Stier nur am Ende der metzeroiden Theatervorführung nicht grundsätzlich abgeschlachtet zu werden, sondern sollte die Chance erhalten, in weiteren Kämpfen Erfahrungen zu sammeln. Nur durch das Training mit dem Aufspießen von Matadoren kann der Stier zu einem wirklich großen Kämpfer heranreifen. Gießen SEBASTIAN WÖLFCHEN

Gut, daß es zur Zeit nur wenige Massentouristen in den spanischen Arenen gibt. Der Tierschutzverband hat da ganz vorzügliche Arbeit geleistet, die Qualität der Corridas ist seit der Boykottkampagne der Tierschützer viel besser geworden. Wie schön ist es jetzt geworden, ohne die kissenwerfenden Touristen einen Stierkampf zu genießen. Die unwissenden Germanskis sollen doch vor ihrer Mattscheibe Rambo und Spießgesellen als Helden anhimmeln und nicht wie wir Espartaco und Co. beim kunstvollen Spiel mit dem Tod. Osnabrück CURRO BALLESTEROS Präsident des Stierkampfclubs Hermanos Espla de Osnabrück

BRIEFE

Verbote ohne Wirkung

(Nr. 19/1988, Werbung: Kommunalpolitiker wollen ihre Städte von Zigaretten- und Alkoholreklame säubern) *

Faktisch sind Werbeverbote wirkungslos, weil die Plakatwerbung jederzeit auf private Flächen ausweichen, also nicht aus dem Stadtbild »verbannt« werden kann und weil die intendierte Absicht, über ein Werbeverbot zu Konsumeinschränkungen zu kommen, empirischwissenschaftlich nicht belegbar ist. Genausowenig ist belegbar, daß Jugendliche

durch Werbung zum Rauchen oder Trinken verführt werden.

Warum soll das Aufstellen von Wartehallen eigentlich ein »genialer Trick« der Außenwerbung - soll wohl heißen: verwerflich - sein? Die Bürger haben ihren Nutzen - nämlich wetterfeste Unterstände und mehr Sicherheit durch die Beleuchtung -, sie müssen weder für die Bereitstellung noch für die laufenden Betriebskosten aufkommen. Immerhin sind von den Unternehmen der Außenwerbung für das Aufstellen von Wartehallen allein in den Großstädten mehr als 100 Millionen Mark aufzuwenden. Dann ist es doch auch legitim, daß sie kommerziellen Nutzen daraus ziehen. Frankfurt TRAUGOTT WURSTER Deutsche Städte-Reklame GmbH

BRIEFE

60 000 Menschen gerettet

(Nr. 18/1988, Zeitgeschichte: Das Rote Kreuz schwieg zu den Nazi-Massenmorden) *

Seit 1921 hat das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) unablässig versucht, für die zivilen Opfer von Kriegen einen völkerrechtlichen Schutz zu erreichen.

Das IKRK hat immer und immer wieder bei der Nazi-Regierung alles unternommen, um die Zivilbevölkerung in den Konzentrationslagern zu besuchen und ihnen zu helfen. Die Antwort war unablässig: »Nein.«

Das IKRK erwog 1942 einen Appell zu lancieren, jedoch hatte es nur indirekte und bruchstückhafte Informationen, welche dem Appell nicht die nötige Glaubwürdigkeit gegeben hätten.

Wäre das IKRK sich zu jener Zeit der Einzigartigkeit des Völkermordes an den Juden bewußt gewesen, hätte es vielleicht eine andere Position ergriffen, aber wie kann man a posteriori urteilen?

Besuche in den Lagern selbst konnte das IKRK niemals durchführen, außer zweimal im Getto Theresienstadt, aber nicht in der »kleinen Festung«. Das IKRK hat jedoch nach dem ersten Besuch festgestellt, daß es sich um eine Theatervorstellung handelte; deshalb entschloß es sich, die Rapporte über diese Besuche der damaligen Regierung nicht zur Verfügung zu stellen, um ihr dadurch keine Möglichkeit zu geben, politischen Vorteil aus diesen Besuchen zu schlagen.

Erst gegen Kriegsende konnte ein Abkommen erreicht werden, das den Schutz vor der von Hitler befohlenen totalen Vernichtung der Insassen der Konzentrationslager vorsah. Die Delegierten durften in einige KZs unter der Bedingung, daß sie selber nicht mehr herauskommen konnten.

Allein im Lager Mauthausen konnten durch die Präsenz der IKRK-Delegierten 60 000 Menschenleben gerettet werden.

Zu den Reisedokumenten an Nazi-Kriegsverbrecher: Bis heute sind 500 000 solcher Dokumente (der größte Teil davon nach dem Zweiten Weltkrieg) ausgestellt worden. Sie haben Kriegsopfern geholfen, zu ihren Familien zurückzukehren oder eine neue Heimat zu finden. Eine einzige Bedingung mußte erfüllt sein: Sowohl das Aufenthaltsland wie auch das Bestimmungsland hatten vorher ihre Aus- und Einreisevisa zu erteilen.

Das IKRK glaubt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, daß zwei Reisedokumente unter falschem Namen von damaligen Nazi-Größen erschlichen wurden:

Helmut Gregor alias Josef Mengele, unter Vorlage einer Identitätskarte der Gemeinde Tremeno, und Klaus Altmann alias Barbie, unter Vorlage eines Dokumentes der Alliierten Hochkommission. Das IKRK vermutet auch, daß ein Dokument auf den Namen Ricardo Clemente auf Adolf Eichmann zutreffen konnte.

Es weiß von keinen anderen Namen von Nazi-Kriegsverbrechern. Genf F. STEINEMANN Internationales Komitee vom Roten Kreuz *KASTEN

BRIEFE

Kondom-Versager nur bei etwa einem Prozent

(Nr. 18/1988, Aids: Nicht Kondome, sondern die richtige Partnerwahl sei bei der Aids-Vorbeugung entscheidend, behaupten amerikanische Epidemiologen) *

Die Empfehlung von Hearst und Hulley, »die sorgfältige Auswahl des Partners sei wichtiger als alles andere«, das heißt insbesondere wichtiger als die Verwendung von Barriere-Methoden (Kondomen und Scheidenpräparaten mit Nonoxinol-9), basiert auf unrealistischen Annahmen:

Die Autoren setzen einerseits voraus, daß die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe beziehungsweise ein positives Testergebnis mit 100prozentiger Sicherheit (Compliance) vermieden wird. Andererseits gehen sie davon aus, daß Kondome bei jedem zehnten Kontakt versagen.

Diese Annahmen sind nicht realistisch. Gerade bei Kontakten außerhalb fester Paarbeziehungen besteht die Gefahr, daß die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe nicht erkannt wird oder die Information über ein positives Testergebnis unterbleibt. Da Sexualverhalten emotional beeinflußt wird, kommt es gelegentlich sogar bei bekanntem Risiko zum Geschlechtsverkehr. Die Wahrscheinlichkeit, daß ein Kondom versagt, läßt sich anhand des Pearl-Index abschätzen. Sie liegt nicht bei zehn, sondern bei etwa einem Prozent.

Es werden zwei Strategien verglichen: einerseits ungeschützter Verkehr mit »sorgfältig« ausgewählten und andererseits »geschützter« Verkehr mit zufällig ausgewählten Partnern. Unter realistischen Annahmen über die Sensitivität der Auswahl beziehungsweise die Effektivität des Schutzes und die Compliance bei der Anwendung der Strategie ist der Schutz durch Barriere-Methoden mindestens doppelt so sicher wie eine »sorgfältige« Auswahl der Partner.

Der Versuch einer solchen Auswahl ist sicherlich zu empfehlen. Man darf jedoch bei Sexualkontakten außerhalb einer festen Partnerschaft keineswegs auf die Anwendung von Barriere-Methoden verzichten! Dies ist die einzige Strategie, bei der man nicht auf unsichere Informationen angewiesen ist. Innerhalb einer festen Partnerschaft ist dagegen nach einem negativen Test ein Schutz überflüssig, wenn sich beide Partner bei allen Seitensprüngen schützen. Tübingen DR. KNUTM. WITTKOWSKI Universität Tübingen Institut für Medizinische Biometrie

BRIEFE

Halbblutt erlaubt

(Nr. 21/1988, Schweiz: Die Selbstgerechtigkeit der Bundeshauptstadt Bern) *

Solange die Bundesräte frei und unbewacht, zu Fuß oder mit Bus und Straßenbahn ihren Arbeitsplatz im Bundeshaus unbehelligt aufsuchen können, wird die von Ihnen übers Leder gezogene »Bern-Burger und Patrizier-Clans-Ordnung« so schlecht nicht sein! Ich frage Sie: Welche bundesdeutschen Minister können ohne Leibwache und Polizeihorden gemütlich (womöglich noch zu Fuß) zu ihrer Arbeit gehen? Reutlingen EVELYNE KAISER-DIECKHOFF

Als Frau finde ich es als Gipfel der Unverschämtheit, daß man durch Photomontage eine Hure auf den Bundesplatz stellt, als ob Bern eine verrufene Hurenstadt wäre! Dabei ist Bern wahrheitsgemäß auch in sittlicher Beziehung eine der saubersten Städte der Welt. Und eine solche abscheulich gemeine Schweinerei und Verleumdung müssen wir uns von einer Zeitschrift aus Hamburg gefallen lassen, aus einer Stadt, die mit ihrer verrufenen Reeperbahn zu den sittlich verruchtesten der Welt gehört. Bern MARGRET WEISS-BRAND

Ihre Charakteranalyse muß aus der Feder eines frustrierten Insiders stammen. Sie enthält zwar manche Wahrheit, aber nur die halbe. Nur ein Beispiel: Den Berner Frauen ist in den Freibädern des ganzen Kantons Bern das halbblutte (barbusige) Tummeln erlaubt. Wie steht es da bei Ihnen in Hamburg und Umgebung? Etwa an der Außenalster, am Großensee, am Lütjensee? Bern FRED TSCHAN

BRIEFE

Muskeln aus der Steckdose

(Nr. 18/1988, prisma) *

Die Elektrostimulation pauschal als eine untaugliche Methode zum Muskelaufbau hinzustellen, wie Sie nach Aussagen von Dr. William Jarvis berichten, erscheint nach wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht zulässig. Es mag einige Stromformen geben, mit denen keine Erfolge erzielt werden, mit Sicherheit läßt sich jedoch bei Wahl der richtigen Stimulationsparameter die Elektrostimulation sinnvoll einsetzen.

In an unserem Institut erfolgten systematischen Untersuchungen am Menschen haben wir festgestellt, daß bereits nach drei Wochen eine täglich durchgeführte Elektrostimulation zu erheblichen Zunahmen von Muskelkraft und -masse führt. Ebenfalls zeigte sich eine, wenn auch geringfügige, Reduzierung des Unterhautfettgewebes.

In Einklang damit wird seit Jahren, und in letzter Zeit verstärkt, die Elektrostimulation in der Physiotherapie erfolgreich angewendet. Köln PROF. DR. H.-J. APPELL Institut für experimentelle Morphologie Deutsche Sporthochschule Köln

BRIEFE

Tod nach Hab-acht-Stellung

(Nr. 16/1988, Insekten: Ein US-Reporter fand die wirksamste Methode, Fliegen abzumurksen) *

Die »Sweet Swat«-Methode, als effektivste waffenlose Fliegenfangmethode gepriesen, setzt die Benutzung zweier Hände voraus. Hat man jedoch, wie so oft, nur eine Hand frei, hilft folgendes:

Entweder man fängt die Fliege mit der hohlen Hand nach demselben Prinzip, schüttelt beide kräftig und hat das orientierungslos gewordene Insekt ins Jenseits geschickt (mittlere Erfolgsquote), oder man macht sich folgendes Verhalten zunutze:

Den erwähnten Hoch-Rückwärtssprung macht die Fliege nicht aus dem Stand. Bei Näherung einer Gefahrensituation kauert sie sich zunächst zusammen. Deshalb nähert man sich der Fliege, möglichst von hinten, langsam mit der Hand bis auf 20 bis 30 Zentimeter, bis die Fliege ihre Hab-acht-Stellung einnimmt. Nach einer gewissen Zeit gibt sie diese wieder auf. In dem Moment heißt es, blitzschnell zuzuschlagen (mittlere bis gute Erfolgsquote).

Das erwähnte Stöpselgewehr von Martin Belokim, das übrigens auch im deutschen Versandhandel erhältlich ist, ist nur begrenzt tauglich. Es funktioniert nur, wenn der Fangteller parallel zu der Oberfläche auftrifft, auf der die Fliege sitzt. Die altbekannte Gummimethode ("Ballistic Sadistic") ist da schon erfolgreicher, ebenso Omas Fliegenklatsche. Weidmanns Heil! Gladbeck (Nrdrh.-Westf.) WOLFGANG CORNELY

»Die Mißhandlung der Tiere ist weder Sport noch Vergnügen! Spanien -Ja, Stierkämpfe - Nein!«

Zur Ausgabe
Artikel 80 / 90