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Briefe

OSTFRONT
• aus DER SPIEGEL 29/1963
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OSTFRONT

Wenn ein Mensch aus Habgier seine Nachbarn überfällt und in ihren Häusern mordet, plündert, raubt und brandschatzt und dann schließlich von herbeigerufener Polizei überwältigt wird, wenn man dann - als kleine Entschädigung - seinen Grund und Boden aufteilt und ihn selbst aufhängt, so würde wohl keiner seiner Nachkommen auf die Idee kommen, unter Berufung auf »Recht« und dergleichen die Grundstücke zurückzufordern, vielleicht unter Bezug auf alte Grundbücher die »Wiederherstellung der alten Grenzen« zu verlangen.

Hamburg WERNER DIETZ

Ob Herrn Krüger jene Passagen einer Predigt, die der polnische Primas Kardinal Wyszynski am 18. August 1960 in der St.-Georgs-Kirche, Marienburg (Westpr.), hielt, nicht bekannt sind: ... an Euer Ohr drang das Echo der Drohungen, die ein feindseliger Mensch im fernen Westen in seinem Hochmut und im Vertrauen auf seine Macht gegen das Land unserer Väter und unsere Freiheit geschleudert hat. Vielleicht hat sich jetzt in manches Herz Furcht vor der Zukunft geschlichen. Aber schaut auf diese gewaltigen Burgen, in denen einst der auf Stahl und Eisen vertrauende Hochmut genistet hat. Wo sind jene geblieben, die einst von diesen Burgen mit Gewalt und Haß herrschten? Gott hat das christliche Polen in das ihm einst entrissene Gebiet zurückgeführt.«

Bielefeld HEINRICH BALKE

Wie mir vor Jahren einmal die Humboldt-Universität in Berlin-Ost mitteilte, hätten besonders »strategische« Erwägungen bei der Errichtung der Oder-Neiße-Linie eine große Rolle gespielt. Weil Ostpreußen und Schlesien den früheren polnischen Staat wie die Schenkel einer Zange umklammert hätten und weil diese »Zangenschenkel« im Ersten wie im Zweiten Weltkrieg den deutschen Armeen als Ausgangspunkte gegen die russischen beziehungsweise polnischen Armeen gedient hätten, hätten Russen und Polen darauf gedrungen, daß diese deutschen Gebiete von den deutschen Einwohnern geräumt würden. Das einst von zwei Seiten umklammerte Polen habe jetzt endlich eine »glatte Grenze"« gegen Deutschland.

Ludwigshafen Hugo KOTULLA

Ihr Gespräch mit MdB Krüger sowie die Empörung über Herrn Neven-du Monts Breslau-Sendung erinnerten mich an ein Gespräch, besser gesagt, an eine Auseinandersetzung mit einem Tübinger Burschenschaftler, dessen Forderung ich in folgender Formel wiedergeben möchte: Es ist nicht die Aufgabe des deutschen Menschen zu denken - sondern deutsch zu denken.

Tübingen SIEGFRIED SPANGENBERG

Wenn man von »Recht« spricht, muß man erst selbst im »Rechten« sein. War das auch »Recht«, der Überfall auf Polen, und diese Leute als Untermenschen zu behandeln?

Kiel WILHELMINE ZERETCKE

Sollte zwischen der Behandlung der polnischen und jüdischen Menschen durch uns Deutsche nach 1939 und der deutschen Ostkatastrophe von 1945 nicht auch ein geschichtslogischer Zusammenhang bestehen? Davon hört man von Herrn Krüger und seinesgleichen nichts. Vermutlich wäre das: Beschmutzung des eigenen Nests ...

Duisburg - HANS-JOACHIM BARKENINGS

Für Herrn Krüger existiert nur die Geschichte von 966 bis 1136 und von 1939 bis heute.

Fribourg (Schweiz) JAN SZCZEPANIAK

In hinreißender geschichtlicher Zusammenschau setzt MdB Krüger zwischen 1136 und 1939 einen 800 jährigen Frieden zwischen Deutschland und Polen an: Sollte seiner großzügigen Interpretation der Geschichte nicht vielleicht doch entgangen sein, daß Polen unter anderem drei Teilungen seitens der deutschen Staaten Österreich und Preußen (1772, 1793, 1795) ausgesetzt war? Oder ist es kein Krieg, wenn sich ein freiheitsliebendes Volk verzweifelt zur Wehr setzt?

Tübingen JÜRGEN BÜCKING

Herr Krüger ist im Irrtum: Charles de Gaulle erklärte auf einer Pressekonferenz am 25. März 1959: »Die Wiedervereinigung der beiden Bruchstücke zu einem einzigen Deutschland, das gänzlich frei wäre, erscheint uns als die normale Bestimmung des deutschen Volkes, vorausgesetzt, daß die gegenwärtigen Grenzen im Westen, im Osten, im Norden und im Süden nicht wieder in Frage gestellt werden:« De Gaulle hat also nicht, wie Krüger meint, von den »völkerrechtlich gültigen Grenzen von 1937« gesprochen.

Hamburg EGON GIORDANO

Als besonders geschmackvoll für. Deutsche habe ich Ihre Frage gefunden, ob Herr Krüger polnischer Staatsangehöriger sein oder werden möchte. Das können Sie sich nur in der Bundesrepublik leisten, und wie ich sagen möchte: leider! Das scheint mir zu weit zu gehen, und das läßt sich nur ein Staat gefallen, dem der Mut zur Entscheidung fehlt und dem die Angst im Nacken sitzt: Was wird das Ausland und was wird die Presse sagen! Warum wollen Sie kein polnischer Staatsangehöriger werden und warum wohnen Sie eigentlich noch hier?

Mannheim PETER JUTRO

Es wäre für die Deutschen sehr gut, einmal darüber nachzudenken, inwieweit sie sich im Jahre 1939 um Völker- und Heimatrecht gekümmert haben. Darüber nachzudenken, vergessen auch die Herren Schellhaus und Krüger.

Düsseldorf HANS-AXEL STOMMEL

Ihr Interview mit Herrn Hans Krüger geht an einer wesentlichen Tatsache vorbei. Herr Neven-du Mont ist verprügelt worden und ist beschimpft worden. Dies ist nicht richtig und zu verwerfen. Herr Neven-du Mont hat aber mit einem Hammer auf die Herzen von Hunderttausenden, wenn nicht Millionen von Vertriebenen geschlagen, und das ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Diese ganze Sendung ist eine unwahrscheinliche Gefühlsrohheit und Taktlosigkeit.

Völklingen (Saar) DR. ERWIN HÖER

Vergessen scheint die Tatsache, daß im Jahre 1939 ein übermächtiges Großdeutschland das kleine Polen überfiel. Statt dessen wird heute an einer neuen Dolchstoßlegende gebastelt.

Bremen ADOLF WEISS

Ob man Unrecht, das Deutsche tun, oder Unrecht, das Deutsche leiden, zu legalisieren versucht - der Effekt bleibt derselbe: Wir bleiben politisch gewissenlos.

Neu-Ulm (Bayern) ERNST ZUTHER

Hoffnung ist nun einmal eine Eigenschaft, die besonders ältere Menschen aufrechthält. Darum ist den Funktionären der Vertriebenenverbände eigentlich kein Vorwurf daraus zu machen, daß sie die Wahrheit nicht aussprechen. Sie tun damit nur das, was jeder Arzt in einem hoffnungslosen Fall tut: Er läßt den Patienten hoffen.

Oberhöchststadt (Hess.) DR. G. WELZIEN

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