Oswald
Frankreichs Innenminister Jules Moch garantiert mit einem neuen Gesetz allen französischen Kominform-Bürodienern langen Gefängnisaufenthalt. Er legte der Nationalversammlung Dokumente vor, die beweisen sollen, daß der französische Bergarbeiterstreik von der Kominform organisiert und finanziert wurde. Neben den 277 Millionen Francs Unterstützungsgeldern osteuropäischer Gewerkschaften, habe Rußland durch die Kominform mehr als eine Milliarde Francs über die »Banque Commerciale pour l'Europe du Nord« nach Frankreich transferiert. Präsident dieser Bank sei ein naturalisierter Russe. 99700 ihrer hunderttausend Aktien befänden sich im Besitz der sowjetischen Staatsbank. Moch gab bekannt, er habe die Ausweisung von zwei Russen, zwei Tschechoslowaken und zwei Polen veranlaßt, die an der Ueberweisung dieser Gelder auf ein unter dem Namen »Oswald« laufendes Konto der Bank beteiligt gewesen seien. Als Antwort auf die Kominform-Beschuldigung und Mochs neue Sabotage-Gesetze (Freiheitsstrafen bis zu 5 Jahren und Aufhebung der parlamentarischen Immunität) wollen Frankreichs Kommunisten das kaum verscharrte Streikbeil wieder ausgraben. Die Hafenarbeiter-Gewerkschaft befahl für nächsten Montag den Generalstreik aller 25000 Hafenarbeiter auf unbestimmte Zeit. Die kommunistische Partei Frankreichs forderte die sofortige Aufnahme »normaler Beziehungen« zur Sowjet-Union.