Otfried Preußler,
68, bayerischer Kinderbuch-Autor ("Räuber Hotzenplotz"), hat mit einem 35 Jahre alten Bestseller einen Religionskrieg in der fränkischen Provinz ausgelöst. Der Schriftsteller hatte der Heldin seines Buches »Die kleine Hexe« (Abb.) nur Nettes angedichtet - was jetzt erst stramm katholische Bürger der Marktgemeinde Lehrberg empörte. Durch die »positive Darstellung« werde die Hexe zu einer »Identifikationsfigur«, behauptete Lehrer Karl Lehr und forderte gemeinsam mit anderen Fundamentalisten, das Buch aus der Kindergarten-Bibliothek zu entfernen: Vom »christlichen Weltbild her« könne eine Hexe »nie etwas Gutes sein«. Die Lokalzeitung schrieb: »Hexen müssen brennen«, und der Pfarrer wetterte von der Kanzel gegen das Buch von der kleinen Hexe, die gegen ihren Clan aufbegehrt. »Sehr traurig« findet der Autor Preußler die Hatz auf sein Werk, während der örtliche Buchhändler sich freut über seinen Umsatz. Statt »zwei bis drei kleinen Hexen pro Jahr« verkauft er nun 50 Preußler-Bücher pro Woche.