OTTO JOHN
(Nr. 31/1954, Deutschland)
Wer nach Ihrem Bericht über den Fall John noch Zweifel hat, ob John freiwillig in die Ostzone gegangen ist, dem ist nicht mehr zu helfen. Liest man aber die Tagespresse, so muß man sich sehr wundern über das »Ergebnis« der Pressekonferenzen. Da den Zeitungen selbst nicht wohl ist angesichts dieser Dürftigkeit, bringen sie Ergänzungen, die sie dem SPIEGEL entnommen haben!
Hamburg
Werner Reichel
Nun will man gar den Briten die Alleinschuld in die Schuhe schieben. Gewiß ist die Verantwortung deutscher Stellen begrenzt. Auch heute noch - wie 1950, als John zum Präsidenten des Verfassungsschutzamtes ernannt wurde - nehmen die drei Besatzungsmächte ein Mitbestimmungsrecht bei der Ernennung von Beamten der politischen Polizei für sich in Anspruch. Aber das ist doch kein Freibrief für die Bundesregierung in dem Sinne, als ob sie nicht die Möglichkeit und vor allem die Pflicht gehabt hätte, auf den Mann achtzugeben, der 44 Monate lang einen der wichtigsten Posten in der Bundesregierung bekleidete.
Kassel
Dr. Adolph Opitz
Die Bundesrepublik erlebt die größte Vertrauenskrise seit ihrem Bestehen. Trotzdem: Der Kanzler ist in Urlaub, die Mehrzahl seiner Minister ebenfalls, auch Staatssekretär von Globke und Bundespressechef von Eckardt sehen keine Veranlassung, ihre Ferien zu unterbrechen. Warum auch? Der Bundesbürger zahlt und schweigt.
Siegen
Konrad Hager
Eine der interessantesten Nebenerscheinungen zum Fall Dr. John ist der Kommentar seines Freundes Sefton Delmer dazu ... Ein begabter Journalist, wie er nicht sein sollte! Die gute einbringliche Sensation steht ihm über jeder Verantwortung für das, was er schreibt. Heute unter der Maske »Nazifeind« ein Deutschenfresser par excellence, früher einer der wenigen Ausländer, die in Hitlers Flugzeug mitfliegen durften. Sein Umgang mit dem Diktator war so vertraut, daß er heute noch Besitzer eines Privatfilms von Hitler ist ... Dies war der Freund auch von dem verschwundenen Verfassungsschützer John. Allerdings hat er mit Rücksicht auf den gängigen Deutschenhaß diesem die Treue besser als seinem »Freunde« Hitler gehalten. Vielleicht als Dank für die gelieferten Unterlagen in Sachen des »Neonazismus« ...
Eschweiler
Dr. Wolfram Engelbrecht
In unverzeihlicher Leichtfertigkeit hat es die Bundesregierung und insbesondere das Innenministerium zu diesem Eklat kommen
lassen. Man sage doch nicht, man habe nicht gewußt, was für eine zwielichtige und für sein Amt auch fachlich unbefähigte Persönlichkeit Herr John ist. DER SPIEGEL jedenfalls hat es oft genug angedeutet:
* In Nr. 4/1952 Hinweis auf Johns fachliche Unzulänglichkeit.
* In Nr. 4/1953 Hinweis auf Johns englische Freunde der Kriegs- und Nachkriegszeit.
* In Nr. 30/1953 Hinweis auf die Mitwirkung Johns als Assistent des britischen Anklägers im Manstein-Prozeß.
* In Nr. 35/1953 abermaliger Hinweis auf die ungenügende Vorbildung Johns für seine Stellung als Präsident des Bundesverfassungsschutzamtes.
* In Nr. 47/1953 Hinweis auf das merkwürdige dienstliche Verhalten Johns in der Heinz-Affäre.
* In Nr. 13/1954 Hinweis auf das intime Gespräch Otto John - Sefton Delmer in der Godesberger Redoute im März 1954.
Ich habe nur einige Artikel herausgesucht, solche SPIEGEL-Hinweise ließen sich gewiß noch vermehren (auch an der unglücklichen Vulkan-Aktion zum Beispiel war Herr John maßgebend beteiligt). Das alles war den Bonner Amtsstellen bekannt, und vieles andere hätte sich bei gewissenhafter Nachprüfung ergeben.
Frankfurt
Franz Gesin, stud. jur.