PAMIR-PROBLEM
Wohltuend inmitten erhitzter und oft unsachlicher Berichterstattung und Diskussion über die Berechtigung der Segelschiffahrt im Zeitalter der Atom-Energie war Ihr versöhnlich-ausgleichender Pamir-Artikel. Eine leidenschaftslose Gegenüberstellung des Für und Wider ist heute wichtiger als die langatmige Sensationslüsternheit einer Presse, die nur allzu rasch hinter der Tragik das Geschäft wittert. Fern aller Romantik haben Sie die Problematik der Ausbildung von Schiffsoffizieren aufgezeigt. Das letzte Wort hierzu werden nun das Seefahrtsamt für den zivilen Sektor und die Bundeswehr für die Kriegsmarine zu sprechen haben.
Hamburg 33 RICHARD ROWER
Da haben nun eine Menge Landlubber eine Menge dummerhaftiges Zeug in den Zeitungen von der »überholten Romantik« der Segelschiffahrt verlautbart. Es ist doch eine merkwürdige Sache, daß in diesem Falle sich jeder für sachverständig hält, wenn er mal für eine Stunde ein Ruderboot auf dem Wannsee oder der Binnenalster gemietet hatte ... Für den Seemanns-Beruf gilt nun einmal Nietzsches Lobpreisung: »Gelobt sei, was uns hart macht.« Es wäre also nur zu fragen ob die Ausbildung auf einem Schulschiff hart genug ist, hart genug sein kann. Es hat noch keinem Schiffsjungen geschadet, wenn er die Maden aus dem Hartbrot herausklopfen mußte, statt Morgenbrötchen vom Schiffsbäcker für seine Backschaft abzuholen ...
Berlin W 15 DR. ERICH ANSPACH
Mit Abscheu habe ich davon Kenntnis genommen, daß Heimatfilm-Produzentin Kubaschewski nicht davor zurückschreckt, ihr bislang auf Gebirgslandschaften beschränktes Arbeitsgebiet nun auch auf den Atlantik auszudehnen, um aus der Verfilmung des in aller Welt stille Anteilnahme findenden Untergangs der »Pamir« Kapital zu schlagen ...
Hamburg 28 UWE TRESSELT
Es wird Sie interessieren, daß sich Hapag-Direktor Dr. Wachs nicht immer so warmherzig für die Belange der Segelschulschiff-Ausbildung eingesetzt hat. Zu der Zeit, als er sich noch in Bremen als Finanzmann betätigte, machte er jedenfalls keinen Hehl aus seiner Kritik am Projekt des Reeders Schliewen, die »Pamir« und die »Passat« wieder auf große Fahrt zu schicken. Offenbar hat erst sein durch Familienbeziehungen begünstigter Stellungswechsel zur Hapag eine opportune Sinnesänderung bewirkt...
Bremen OSKAR W. LENTZE
Wann wird mit diesem Ausbildungs-Sadismus der ewig Gestrigen endlich Schluß gemacht? Wieviel der 40 Reeder der Pamir-Stiftung sind denn selbst in die Rahen geklettert? Würden diese Herren sich auch ihren Blinddarm ohne Narkose herausnehmen lassen oder mit der Postkutsche nach Paris fahren? Nur um hart zu werden? Warum genügt nicht die Härte eines modernen Fischdampfers zur Ausbildung? Muß man, um auf modernen Handelsschiffen Dienst zu tun, die in zahllosen Abenteurergeschichten verherrlichten »Windjammer« als Marterbank junger Menschen zur Notwendigkeit erheben? Vielleicht aber müssen wir sogar danken, daß man keine Galeeren in Dienst stellte. Nein, es gibt kein Argument, unter dem Vorwand der Disziplin und Ertüchtigung junge Menschen bis zur Selbstaufgabe auf vereiste Rahen zu hetzen.
Hamburg KARL G. PARDO DE LEYGONIE
In der harten Schule der Segelschiffahrt wachsen Männer, wie sie die Seefahrt braucht. Die beständige Gegenwart der Gefahr ist ein Berufsmerkmal des Seemanns. Ängstliche Gemüter fahren nicht zur See. Denkt an den Seemannsspruch: »Nicht klagen, wieder wagen, Seefahrt ist not«
Beckingen (Saar) DR. F. H. KARCHER