PAPIERTIGER
(Nr. 45/1968, Spionage)
Nach langer Durststrecke hat nun der bundesdeutsche Mensch endlich seine Spionage-Affäre. Da schwimmen ihm auch die Felle schon wieder weg. Muß er doch spätestens nach SPIEGEL-Lektüre betrübt zur Kenntnis nehmen, daß es nur einzelne Fälle sind.
Hamburg K. PETER MÜLLER
... könnte man fast auf den Gedanken kommen, daß irgendwer dem SPIEGEL Order gegeben hat, über die Selbstmorde und den Diebstahl der Sidewinder-Rakete in »Wir-haben-eine-heile-Welt«-Manier zu berichten. Damit nicht noch mehr Porzellan zerbricht, oder wie?
Stuttgart ERICH FÄRBER
In anderen Ländern grassiert die asiatische Grippe, in Bonn die Depression! Jedenfalls muß man das annehmen, wenn man die offiziellen Erklärungen Bonns zu den letzten Spionageskandalen und den mysteriösen Selbstmordfällen hört. Es scheint so, daß in Genf Abrüstungsgespräche geführt werden, aber in Bonn durch Selbstmorde abgerüstet wird. Direkt vorbildlich ! »Depressionen« im Bundesnachrichtendienst, »Depressionen« im Bundesverteidigungsministerium, »Depressionen« im Bundespresseamt.
Die Depression marschiert in Bonn mit ruhig festem Schritt! Wenn sie so weitermarschiert, sollte man ein »Bundesministerium für Psychiatrie« schaffen. Auf ein Ministerium mehr kommt es doch nicht an. Der Steuerzahler zahlt ja ...
Würzburg GÜNTHER JUST
Es ist endlich erwiesen, daß dieses Land harmlos ist! Gewiß, wir haben Waffen. Aber wenn wir die bewegen, dann verpacken wir die Raketen im Pkw, und -- Gott verzeihe uns! wenn wir das Zeug schon ins Feindesland expedieren müssen, dann vorzugsweise mit Luftfracht.
Ich als Russe würde mich fürchten!
Köln WOLFGANG WEINERT
Und das Deuxième Bureau belächelt die Nato-Panne des Jahrhunderts. Aus Scham vor der Entdeckung griffen und greifen gutsituierte Agenten zur Konsequenz in 6,35 oder 7,65 oder neun Millimeter. Sie lassen einen verstörten Staat, einige düpierte Minister und Politiker, viele verzweifelte Geheimniskrämer und die Gewißheit für den Steuerzahler Michel hinter sich, daß alles, was von seinen Groschen geheimnisvoll eingekauft und nachts an die Betonhöhlen im Harz, in Eifel und Taunus, Jura und Alpen ging, heute wenigstens Allerweltsgeltung hat.
Siegen HANS BASEROW
Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß nicht nur in Zell, sondern auch anderswo Zivilisten im Rentner-Alter (Opa) verantwortungsvolle Wachaufgaben wahrnehmen; sogar an den »sogenannten« modernen Raketenwaffen. Schwerhörigkeit, Nachtblindheit und Sehschwäche sind hier kein Hinderungsgrund und keine Seltenheit. Das ist nicht nur eine Farce das ist ein Riesenpapiertiger. Wo bleibt da die berühmte Abschreckung?
Tostedt (Nieders.) H. ENGEL
Mit großem Interesse las ich Ihren Artikel und als ehemaliger -- ich hoffe es -- Sicherheitsfall, so nannte es mein KF-Chef, möchte ich Ihrer Kritik an den Abwehrdiensten voll zustimmen. Der Besitz einer Minox, eines 20 M TS und die Verpflichtung auf zwei Jahre, genügten einem Marburger Oberleutnant einer Ausbildungskompanie 1967 den MAD zu verständigen. Dieser bemühte sich dann extra aus Kassel zweimal nach Marburg, (Dienstfahrzeug: grüner Opel Kadett KS-AC 789) um mich zu »verhören«. Ich schlage nun folgendes Schema dem MAD vor -- geht auf die Parkplätze, jeder, der einen Wagen über eine bestimmte Kubikzahl besitzt und Wehrdienst leistet, ist verdächtig; nur so können wir die Bundeswehr frei von Agenten halten.
Frankfurt FRIEDRICH BÜCHNER
Wundern Sie sich darüber, nachdem Canaris und Oster ein Beispiel gegeben haben?
Bremen ROBERT SPIES
Rittmeister der Reserve und Ia der Abwehr-Abteilung II des Amts Ausland-Abwehr
Wenn ein Mann -- sei er noch so ein hohes Tier -- allein geheime Dokumente einsehen kann, dann sind dafür die Vorgesetzten wegen mangelnder Dienstaufsicht zur Verantwortung zu ziehen. Mit durchdachten Sicherheitsvorschriften kann kein Dokument ohne Zeugen photographiert werden. Das alles ist Schlamperei, die den Aufsichtsführenden angelastet werden muß.
Wiesbaden DIETRICH BUSCHMANN
Es handelt sich wirklich nicht um ein Grundsatz-Poster des Militärischen Abschirmdienstes, sondern lediglich um das Titelbild einer amerikanischen Zeitschrift (Dezember 1967), deren Mitarbeiterstab sich im Redaktionsregister als »the usual gang of idiots« zu apostrophieren pflegt.
Amberg (Bayern) ALBAN G. MAYER