PARTEISPENDEN
(Nr. 39/1954, Deutschland)
... Inzwischen hat - nach Ihnen - auch die bayerische Tagespresse den Fall aufgegriffen. Der Bayerische Landtag hat sich eingeschaltet, und Ministerpräsident Ehard ist nach Memmingen gefahren, um die CSU-Delegierten davon zu überzeugen, daß es besser wäre, einen anderen Landtagskandidaten als den in die Lazari-Affäre verwickelten Landrat Dr. Lenz zu benennen.
München
Nikolaus Weiler
Von dem in Ihrem Bericht erwähnten SPD-Abgeordneten Max Drechsel, der sich als Mitglied des Kreditausschusses seinerzeit ebenfalls mit den Krediten an Lazari zu befassen hatte, hat sich die SPD-Fraktion des
Bayerischen Landtags inzwischen distanziert und ihn aus ihren Reihen ausgeschlossen.
München
Franz Brugger
Dem Kreditausschuß des damaligen Bayerischen Landtags (Ende der Legislaturperiode 1950) gehörten sieben Abgeordnete aller Parteien an. Im Fall Metex wurde dem Ausschuß, etwa im September 1950, ein Kreditgesuch auf 300 000 Mark unterbreitet. Kurze Zeit später nahm der vollzählige Ausschuß eine Betriebsbesichtigung in Memmingen vor ... Im Ausschuß war damals nicht bekannt, daß gegen Lazari ein Steuerstrafverfahren schwebt.
Ich habe für Lazari nicht mehr oder weniger getan, was ich auch für jeden anderen getan hätte.
München
Heinrich Emmert
Wie DER SPIEGEL meldete, hat seinerzeit Kreditausschuß-Vorsitzender Keeß sich über das Kreditausschuß-Mitglied Emmert so geäußert: »Der Emmert hatte mich damals so lange bearbeitet, bis ich den Antrag (Lazaris) noch mal auf die Tagesordnung gesetzt hatte.« - Red.
In tendenziöser Weise veröffentlichen Sie mein Bild auf der ersten Seite Ihrer Ausführungen ... Die Verwendung eines entstellenden Bildes aus dem Jahre 1949 in schlechter Wiedergabe und aufgenommen von einem Reporter nach Beendigung einer sechsstündigen anstrengenden Sitzung soll offenbar auch dazu beitragen, den in seiner Ehre Angegriffenen auch lächerlich zu machen ...
Ich fordere die Wiedergabe des beiliegenden Lichtbildes (Sonder-Photo vom 22. September 1954 - Red.).
... Nicht im Mittelpunkt, sondern am Rande stand ich, als mich ein Parteifreund aufforderte, das von Herrn Lazari versprochene Darlehen einzukassieren. Diese Inkassobemühungen stellte ich sofort ein, als ich am 8. März 1952 aus einem Brief des Herrn Lazari erfuhr, daß er ein Steuervergehen begangen habe und nachdem ich eine Auskunft über Herrn Lazari einholte.
Am 31. Oktober 1951, als ich mittags das Fraktionszimmer verließ, begegnete ich einem Parteifreund, der mir Herrn Lazari mit der Erklärung vorstellte, dieser wolle der CSU 1000 Mark spenden, und ich möge ihm sagen, wohin er den Betrag zu geben haben. Nachdem ich mich vorgestellt hatte, bat ich um eine Firmenkarte und sagte, Herr Lazari möge seine Spende der Landesleitung geben und meinen Brief abwarten ... Da eine Spende von 1000 Mark keine große Sache ist und ich keinen Argwohn gegen Herrn Lazari hegen mußte, schrieb ich die beiden von Ihnen zitierten Briefe mit einer Inseratrechnung für den Bayernkurier. Ich bemerke, daß diese Parteizeitung 4 Inserate à 250 Mark veröffentlicht hätte, wenn die Vorausrechnung beglichen worden wäre.
Der Landesgeschäftsführer der CSU wurde von mir über die Spendenabsicht des Herrn Lazari unterrichtet und gebeten, dies in der regelmäßigen Berichterstattung dem Herrn Landesvorsitzenden*) mitzuteilen. Er kannte die Hintergründe der Spendenabsicht so wenig wie ich. Ich habe dem Herrn Landesvorsitzenden also nichts verschwiegen ...
Als mich ein Parteifreund aus München anrief, er habe Herrn Lazari helfen können, und ich möge dies diesem mitteilen und nochmals zur Zahlung mahnen, habe ich es am 6. Februar 1952 mit dem veröffentlichten Brief getan. Welcher Art diese Hilfe war, wußte ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht ...
Fürth
Karl Sigmund Mayr
Ihr Artikel über die seltsamen Methoden der Memminger Textilfirma »Metex« des Herrn Gerhard Lazari hat mich als Steuerzahler sehr interessiert; und sicherlich nicht nur mich, sondern gewiß alle SPIEGEL-Leser, sofern sie einfache Steuerbürger sind. Ja, man müßte spendieren können, dann trägt sich alles leichter, auch die Steuerlast.
Stuttgart
Benno Welters