Patronen
Zwischen Berlins Bahngeleise regnete es Patronenhülsen. Ueber 300 Schuß wurden allein auf dem Bahnhof Neukölln (US.-Sektor) von Volkspolizisten gegen streikende westberliner Eisenbahner abgefeuert. Der S-Bahnhof Charlottenburg wechselte an einem Tage sechsmal den Besitzer. Eisenbahner der nichtkommunistischen UGO-Gewerkschaft gingen untergehakt gegen ihre Kollegen aus Magdeburg, Neubrandenburg, Kottbus und Mecklenburg vor, die von der sowjetisch besetzten Reichsbahndirektion Berlin als Streikbrecher eingesetzt waren. Getreten, geprügelt und geschossen wurde auch in Tempelhof, Tegel, Wannsee und Gesundbrunnen. Es gab über tausend Verletzte. Bis zu 500 Züge fielen pro Tag aus. 15000 westberliner Eisenbahn-Gewerkschaftler wollen solange streiken, bis ihre Forderungen auf Bezahlung in Westmark, freies Koalitionsrecht und Wiedereinstellung der gemaßregelten Angehörigen der westberliner Bahn erfüllt sind. Die alliierten Patrone hielten sich zurück. Die drei Westkommandeure versicherten ihre Sympathien, lehnten es aber ab, das Bahngelände (sowjetisches Kontrollgebiet) Westberlins von der Reuter-Polizei besetzen zu lassen. Der sowjetische Kommandeur überließ der Reichsbahndirektion eine Regelung »nach eigenem Ermessen«. Es gab Tote.