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DEUTSCHEN-RÜCKFÜHRUNG Peles Wort

• aus DER SPIEGEL 37/1964
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Anschluß Bukarest 14 08 99 antwortet nicht mehr. Unter dieser Nummer war seit Mai dieses Jahres die im fünften Stock des Bukarester Luxushotels »Athénée Palace« residierende deutsche Handelsvertretung zu erreichen. Am Donnerstag der letzten Woche zogen Bonns Diplomaten in das neue Missionsgebäude, Strada Londra Nummer 7, den bisherigen Sitz der Kubanischen Botschaft.

Die brünette Legationsrätin Dr. Ursula Lammers, 45, die ihren Ferien machenden Chef, Graf Yorck von Wartenburg, vertritt, erwartet in den neuen Räumen Mitte dieses Monats die Ankunft einer achtköpfigen Bonner Delegation.

Die Bonner Unterhändler wollen mit Rumäniens Außenminister Corneliu

Maneseu über die Rückführung von 70 000 Rumänien-Deutschen sprechen, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges von ihren in der Bundesrepublik lebenden Angehörigen getrennt sind.

Die politischen Vorzeichen für eine Regelung der jahrelang verschleppten Familienzusammenführung stehen in diesem Herbst günstiger denn je: Rumäniens Regierungschef Ion Gheorghe Maurer - seine Familie stammt aus dem siebenbürgischen Schaßburg - ist bei seinem Balanceakt zwischen Moskau und Peking auf westliche Rückendeckung angewiesen.

Mit einem Umsatz von 781 Millionen Lei (521 Millionen Mark) im letzten Jahr nahm die Bundesrepublik im rumänischen Außenhandel den dritten Platz ein - hinter der Sowjet-Union und der Tschechoslowakei. Lediglich die Frage der gegen ihren Willen in Rumänien zurückgehaltenen Deutschen hat die Beziehungen zwischen Bukarest und Bonn bisher belastet und ein noch stärkeres Rumänien-Engagement der deutschen Wirtschaft verhindert.

Vor 800 Jahren von dem Ungarnkönig Géza II. (1141 bis 1161) in das Land gerufen, bildeten die deutschen Siedler in Siebenbürgen und im Banat jahrhundertelang einen Schutzwall gegen Türken-Invasionen.

1930 bekannten sich 633 000 rumänische Staatsbürger zu ihrer deutschen Muttersprache. Krieg, Flucht und Zwangsdeportationen nach Rußland dezimierten die deutsche Minderheit auf 395 000 Köpfe.

Doch die Deutschen durften im Lande bleiben und wurden nicht, wie ihre Landsleute in Jugoslawien. Polen und in der Tschechoslowakei, vertrieben. Die Regierung gestattete ihnen sogar eine bescheidene Kultur-Autonomie: 440 deutschsprachige Schulen und drei eigene Zeitungen - »Neuer Weg« (Auflage: 80 000), »Volkszeitung« (14 000) und »Wahrheit« (12 000). Am angesehensten ist das deutsche Gymnasium in Bukarest. Prominentester der 900 Schüler: Mircu Maurer, der Sohn des rumänischen Ministerpräsidenten.

Dennoch verleideten Enteignung und Zwangskollektivierung den meisten Volksdeutschen das Leben in der angestammten Heimat. Von den im siebenbürgischen Hermannstadt (101 000 Einwohner) verbliebenen 23 000 Deutschen haben 17 000 die Ausreise beantragt.

Ihre häufigsten Klagen betreffen den niedrigen Lebensstandard, die schlechten Wohnverhältnisse (eine Familie in einem Raum) und die Trennung von den Angehörigen in der Bundesrepublik. Besuchsreisen früherer Rumänien-Deutscher in die alte Heimat sind seit einem Jahr wieder erlaubt. Doch riskieren allzu kontaktfreudige Einheimische hinterher die Vernehmung durch die »Securitate« (Sicherheitspolizei) in einem der an jedem Ort unterhaltenen Konspirativ-Häuser.

Der deutsche Stadtpfarrer von Bukarest. Dr. Adolf Bruckner, 71, der eine Gemeinde von 3000 Seelen betreut, vertraute in seinem Amtszimmer in der Strada Temisana Nummer 1 dem SPIEGEL-Redakteur Botho Kirsch an: »Wir Deutschen stehen hier auf verlorenem Posten.«

Am 18. August 1958 vereinbarten das Deutsche und das Rumänische Rote Kreuz die Umsiedlung von 8432 Volksdeutschen - größtenteils Kinder und getrennt lebende Ehegatten. Doch schon im Dezember bewilligten die Bukarester Paßbehörden nur noch zwölf Ausreise-Anträge.

Im Januar 1959 weigerte sich die Bundesregierung daraufhin, den am 31. Dezember abgelaufenen Handelsvertrag mit Rumänien zu verlängern. Empört verwahrten sich die Rumänen gegen die ihrer Ansicht nach unzulässige Verquickung von Wirtschaftsverhandlungen mit der Umsiedlung der Siebenbürger Sachsen. Bonn gab nach.

Private Bemühungen hatten mehr Erfolg. Dem Stuttgarter Rechtsanwalt Dr. Garlepp gelang es, gegen Zahlung von Erfolgshonoraren zwischen 2000 und 5000 Mark an einen Bukarester Kollegen, mehrere hundert Volksdeutsche loszukaufen. Das höchste Honorar bezahlten die Angehörigen eines Kronstädter Pfarrers, der sieben Jahre in einem rumänischen Gefängnis verbracht hatte: 70 000 Mark.

Erst als sich die rumänischen Bemühungen um eine stärkere West-Orientierung mit der Absicht des Bundesaußenministers Gerhard Schröder trafen, die deutsche Ostpolitik durch die Errichtung von Handelsmissionen im Ostblock zu aktivieren, konnte das Auswärtige Amt einen neuen Vorstoß unternehmen.

Am 17. Oktober 1963 wurde das Abkommen über die Eröffnung einer deutschen Handelsmission in Bukarest unterzeichnet. Ein halbes Jahr darauf zogen mit Graf Yorck von Wartenburg und seiner Legationsrätin Dr. Ursula Lammers zwei intime Kenner der Landesprobleme in die provisorische Residenz der deutschen Handelsmission im Bukarester Hotel »Athénée Palace": Graf Yorck als früherer Flüchtlingsreferent beim Genfer Weltkirchenrat und die Rumänisch sprechende Ursula Lammers als ehemalige Studentin der Bukarester Handelsakademie.

Auf Regierungsempfängen und Cocktailpartys hat Ursula Lammers bereits das diplomatische Terrain für erfolgversprechende Rückführungs-Verhandlungen sondiert. Sie und ihr Chef, Graf Yorck, vertrauen auf ein Wort des rumänischen Vize-Außenministers Pele: »Darüber könnte man einmal reden.«

Deutsche Kolchos-Zentrale in, Heldsdorf (Siebenbürgen) Auswanderung erwünscht

Legationsrätin Ursula Lammers

70 000 Mark für einen Pfarrer

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