Persiens Panzer
Bonn rätselt über Persiens stellvertretenden Verteidigungsminister: Ungehaltenen Tons hatte General Hassan Toufanian in der vergangenen Woche die Entscheidung seiner Regierung, sich nicht mehr um den deutschen Kampfpanzer »Leopard II« zu bemühen und statt dessen mindestens weitere 800 britische »Chieftain«-Panzer anzuschaffen, unter anderem damit begründet, die Bundesregierung habe die Ausfuhrlizenz nicht erteilt. Tatsächlich hatte Bonn 1969 die persischen Wünsche nach 1000 Leopard-I-Kampfwagen mit dem Hinweis abgelehnt, deutsche Rüstungsgüter würden nicht in Spannungsgebiete geliefert. Seither, so verlautet aus dem Bundesverteidigungsministerium, habe es kein offizielles Ersuchen aus Teheran mehr gegeben.
Auch bei Leopard-Hersteller Krauss-Maffai löste General Toufanian, den im Herbst 1973 eine Vorführung des Leopard II »tief beeindruckt« hatte, Verwunderung mit seiner Bemerkung aus, die deutschen Lieferbedingungen seien »einfach lächerlich«. Bislang, betont ein Firmensprecher, seien weder konkrete Angebote gemacht noch Preise genannt worden.
Experten vermuten, daß dem eilig aufrüstenden Schah Resa Pahlewi das Geschäft mit den Deutschen in jedem Fall zu lange gedauert hätte: Der Leopard II, der dem untermotorisierten 54-Tonnen-Koloß Chieftain in der Geschwindigkeit klar überlegen und in der Feuerkraft ebenbürtig ist, wird derzeit noch erprobt und soll frühestens 1977 bei der Bundeswehr eingeführt werden.