Perspektive des Überfallenen - DER SPIEGEL
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Briefe

Perspektive des Überfallenen
• aus DER SPIEGEL 41/1981
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Perspektive des Überfallenen

(Nr. 38/1981, SPIEGEL-Titel über die TV-Serie »Der unvergessene Krieg")

Die Drahtzieher der Filmaufführung im Deutschen Fernsehen einschließlich der ahnungslosen oder den Haß gegen alles Deutsche erneut schürenden Amerikaner müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, daß sie mit diesem Fernsehfilmwerk eher der sowjetischen Propaganda als der Wahrheit und auf keinen Fall dem zur Zeit ohnehin sehr strapazierten Verteidigungswillen des Westens dienen. Auch den Experten im »Historischen Stichwort« muß gesagt werden, daß sie dadurch, daß sie ja in den paar Minuten gar nicht gegen das Lügengestrüpp ankommen können, sich oftmals selbst stillschweigend hinter so manche Lüge stellen. Die Experten, die noch etwas auf ihren Ruf geben, sollten sich schnellstens vom Gesamtfilmwerk distanzieren und ihre Auftritte rückgängig machen.

Löhne (Nrdrh.-Westf.) CARL OTTO HOFFMANN Oberst der Bundeswehr a. D.

Es kommt meines Erachtens nicht unbedingt auf akribiehafte Genauigkeit an, so wünschenswert es wäre. Wesentlich und deshalb positiv ist es nämlich in jedem Fall, daß wir einmal diesen Krieg aus der Perspektive des Überfallenen sehen. Ich fand die Erstsendung informativ und durchaus korrekt, obwohl ich recht gut die historischen Fakten kenne.

Lüneburg (Nieders.) GOTTFRIED SCHMIDT

Es wäre notwendig, endlich alte Denckategorien aufzugeben und die eindeutige Schuld Hitler-Deutschlands an dem Überfall auf die Sowjet-Union zuzugeben und nicht auf jede nur mögliche Weise den Russen eine Mitverantwortung an diesem Krieg zu unterschieben.

Düsseldorf FRANZISKA APELT

Da wird ein Land überfallen und die Bevölkerung versklavt und ausgerottet. Und wenn dann im Hinterland sich einige Überlebende als Partisanen zusammentun, um die unmenschlichen Eindringlinge zu bekämpfen, sind sie in dem Bericht Mörder. Wenn die Eindringlinge keine Gefangenen machen, sind sie natürlich keine Mörder.

Bremen LUDWIG BAUMANN

Der Bayerische Rundfunk überträgt die Fernsehserie nicht! Soll die bayrische Bevölkerung geschützt werden vor der späten Erkenntnis, daß dieser Krieg durch den Einmarsch der deutschen Wehrmacht in ein weitgehend ungeschütztes und mangelhaft vorbereitetes Land einsetzte?

München GESINE MACH

Wie bekannt, hat es der Bayerische Rundfunk abgelehnt, die Serie in sein Drittes Fernsehprogramm zu übernehmen. Wichtigste Einwände gegen die Ausstrahlung waren die von SPIEGEL-Mitarbeiter Heinz Höhne mit Akribie zusammengetragenen historischen Ungereimtheiten und Falschinformationen.

Auch für mich gibt es keinen Zweifel an der Aussagekraft der verwendeten dokumentarischen Bilder, aber in der Abwägung, die Serie mit all ihren schwerwiegenden Mängeln zu übernehmen oder eine schon vor dem Angebot des »Unvergessenen Krieges« geplante Dokumentation unter Federführung des Bayerischen Rundfunks zu realisieren, halte ich das eigene Vorhaben für den besseren Weg.

München DR. H. C. WILHELM EBERT Vorsitzender des Fernseh-Ausschusses des Bayerischen Rundfunks

Die Berichterstattung von Heinz Höhne über die Fernsehserie ist umfassend und im Wesentlichen korrekt. Daß der WDR mit Ankauf und Ausstrahlung dieser Serie ein nicht geringes -- aber selbstverständlich kalkuliertes -- Risiko einging, ist kein Geheimnis, und der WDR selbst hat die Problematik der Serie ebenso unmißverständlich deutlich gemacht wie die Gründe, die bei allem Für und Wider schließlich zu der Entscheidung geführt haben, die Serie dem deutschen Publikum, Fernsehpublikum zur eigenen Urteilsbildung anzubieten.

Köln DR. KLAUS KATZ Programmbereich Kultur und Wissenschaft Fernsehen WDR

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