Peter Tarnoff
provozierte einen Eklat in Washington, weil er die Wahrheit allzu unverblümt aussprach. Bei einem Hintergrundgespräch mit Journalisten, die in ihren Berichten seinen Namen nicht erwähnen durften, hatte Tarnoff, im US-Außenministerium die Nummer drei, eine Weltpolizistenrolle der USA abgelehnt. Nach dem Ende des Kalten Krieges müßten interventionistische Alleingänge der USA durch eine multilateral orientierte Politik abgelöst werden. Im übrigen fehle dem defizitgeplagten Land schlicht das Geld, um überall auf der Welt präsent zu sein und Brandherde zu löschen. Obwohl die Tarnoff-Äußerungen nur verstärkten, was Präsident Bill Clinton und sein Außenminister Warren Christopher selber angedeutet hatten, wurde der Spitzenpolitiker zurückgepfiffen. Christopher bestritt, daß die Clinton-Regierung die Supermacht-Rolle der USA wegen innenpolitischer Prioritäten einschränken wolle: »Wir werden führen.« Clintons Sprecherin Dee Dee Myers, die Tarnoffs Anonymität nicht preisgeben wollte, deutete sogar das Ende der »beruflichen Zukunft von X« an. Im SPIEGEL-Interview begründet Tarnoff, 56, seine Ansichten über Amerikas reduzierte Führungsrolle, die trotz aller Dementis den Kern einer künftigen Clinton-Doktrin enthüllen.