Pierre Boulez
Pierre Boulez, 76, französischer Komponist und Dirigent, wurde dieser Tage von einer lockeren Aussage eingeholt. Vor 34 Jahren, im SPIEGEL 40/1967, hatte der Musik-Neuerer, damals auch an der Basler Musikakademie tätig, in einem SPIEGEL-Gespräch vorgeschlagen, »die Opernhäuser in die Luft zu sprengen«. Anfang November nun, nach seiner Premiere beim Europäischen Musikmonat in Basel, standen Schweizer Polizisten gegen sechs Uhr morgens vor Boulez' Zimmer im Basler Hotel »Drei Könige«. Die Ordnungshüter konfiszierten seinen Pass und verschwanden. Stunden später brachten sie den Ausweis zurück. Grund für den Polizeieinsatz: Boulez hatte vor sechs Jahren im nationalen Fahndungsregister Ripol auf Veranlassung des Zürcher Bezirksanwalts einen Eintrag erhalten. Damals war eine Musikredakteurin nach einer negativen Kritik an einem Boulez-Auftritt telefonisch mit einem Bombenattentat bedroht worden. Boulez galt kurzzeitig als verdächtig, die Ermittlungen waren aber ausgesetzt worden, da der Komponist bereits das Land verlassen hatte. Als Boulez sich jetzt nach seiner Einreise in dem Hotel anmeldete, stieß die Polizei, die jede Nacht die Meldezettel kontrolliert, auf Boulez' Namen. Doch nun sah der Bezirksanwalt auf einmal keinen Grund mehr für weitere Ermittlungen. Die Polizisten entschuldigten sich. Der Eintrag im Ripol wurde gestrichen.