CHILE Pinochets Knechte packen aus
Immer mehr Soldaten offenbaren fast anderthalb Jahrzehnte nach Ende der Pinochet-Diktatur 1990 ihre Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen. Viele der noch tausend Vermisstenfälle stehen vor der Aufklärung. Der Sinneswandel ist Folge eines Generationenwechsels in der Armee. Jüngere Offiziere wollen mit der Vergangenheit brechen, was den Geständnisdruck auf die Täter erhöht. Mehrere Unteroffiziere gaben jetzt zu, Regimegegner ermordet zu haben. Sie beschrieben detailliert, wie sie ihre Opfer betäubten, verschnürten und mit Eisenbahnschienen beschwert ins Meer warfen. Mitte Juli nahmen drei pensionierte Generäle an der Ausgrabung von zehn ermordeten Oppositionellen teil. Anfang Juli hatten acht ehemalige Pinochet-Generäle eine Erklärung verbreitet, in der sie »das große Leid« bedauern, das durch die vielen Menschenrechtsverletzungen entstanden sei. Heereschef Juan Emilio Cheyre appellierte an seine Waffenbrüder, dass solche Vorgänge sich nie wiederholen dürften. Präsident Ricardo Lagos will nun die Gunst der Stunde nutzen, um die rund 300 noch anhängigen Gerichtsverfahren gegen Pinochets Schergen voranzutreiben. Die Anwälte der Angehörigen von Verschwundenen drängen darauf, dass der Kongress auch das von Pinochet verhängte Amnestiegesetz aufhebt, das eine Verfolgung der vor März 1978 begangenen Menschenrechtsverbrechen untersagt. Am 11. September ist der 30. Jahrestag des Pinochet-Putsches.