Plakative Rhetorik
(Nr. 19/1994, Titel: Die Gen-Spritze - Hoffnung für Krebskranke)
Es ist nicht wahr, daß waghalsige Menschenversuche am Anfang der Gentherapie stehen. Zu Beginn der Gentherapie werden grausame Tierversuche durchgeführt, es werden Millionen Tiere gefoltert und getötet. *UNTERSCHRIFT: Köln MONIKA TE PAS
Das komplexe Geschehen um Krebs und seine Therapie wird reduziert auf die Gen-Spritze. Gen-ial! Psychosomatische und soziale Einflüsse? Uninteressant! Wir brauchen nur die richtigen Streichhölzer und schon bald ist Grönland vom Packeis befreit. *UNTERSCHRIFT: Krefeld DR. GERHARD SUSEN
Seit 1989 gibt es die Gesellschaft zur Förderung Immunologischer Krebstherapien e.V. Sie fördert neuartige, durch Gentechnik ermöglichte, biologische Behandlungsverfahren in der Therapie Krebskranker. Die Wirksamkeit dieser Krebstherapien konnte bereits an der Medizinischen Hochschule Hannover bestätigt werden. Sie kommen bei Krebspatienten mit unterschiedlichen, fortgeschrittenen Tumorleiden bereits zum klinischen Einsatz und werden auch schon von der Krankenkasse finanziert. *UNTERSCHRIFT: Kempen (Nrdrh.-Westf.) MYRIAM FREIFRAU VON LOE
Nach etlichen durchweg polemischen Rundumschlägen gegen Gentechnik in der Nahrung und in der Landwirtschaft nun endlich ein recht sachlicher, ausgewogener und im Tenor verhalten zustimmender Artikel über Gentechnik in der Medizin. Das läßt hoffen! *UNTERSCHRIFT: Basel DR. CHRISTIAN T. HARMS
Wenigstens ein Fragezeichen unter der Titelzeile hätte sein müssen, zumal Sie ja selbst schreiben, daß die gentherapeutischen Maßnahmen bis jetzt keine Heilungsversuche, sondern Experimente an Sterbenden sind. *UNTERSCHRIFT: Düsseldorf CARSTEN WITZEL
Die tatsächlichen Heilungen nach gentherapeutischen Behandlungen werden als geringfügig und zweifelhaft abgetan. Verschwiegen wird, daß zum Beispiel bei Gentherapien von Hirntumor-Patienten im US-Bundesstaat Iowa sich die Tumoren der meisten Behandelten vollständig zurückgebildet haben. Auch die Behauptung, daß alle Gentherapien in regelmäßigen Abständen wiederholt werden müssen, ist falsch. Bei einer Blutstammzelltherapie ist eine Wiederholung nicht notwendig. Somit kann eine Heilung und nicht nur eine Therapie erreicht werden. *UNTERSCHRIFT: Braunschweig HITTO KAUFMANN RALPH MARBURGER
Ist es nicht an der Zeit, sachadäquat das Für und Wider der Gentechnologie kritisch darzustellen und abzuwägen? *UNTERSCHRIFT: Krailling (Bayern) DR. THOMAS BLOCK
Die Gentherapie befindet sich gegenwärtig in einem experimentellen Zustand und wird an austherapierten Todkranken erprobt. Weder sind Erfolge hinreichend bekannt noch Risiken abgeklärt. Bereits vor diesem Hintergrund verfällt der Pharmakologe Detlev Ganten vom Berliner Max-Delbrück-Centrum in plakative Pionier-Rhetorik: »Eines Tages werden die Hälfte aller Behandlungen gentherapeutisch sein.« *UNTERSCHRIFT: Berlin DIPL. BIOL. GERD FRIEDRICH