Olympia-Fernsehen Platz gesperrt
Robert Emil Lembke, TV-Chef planer der Olympischen Spiele, hat Ärger mit »meinen Freunden vom OK«. Er fragt sich mißmutig, »warum wir einen Vertrag unterschreiben sollen, der nicht eingehalten wird«.
Denn zehn Wochen vor dem Beginn des Münchner Olympia-Treffens wartet Lembke, der den Titel »Geschäftsführer des Deutschen Olympia-Zentrums« (DOZ) führt, noch immer darauf, daß seine Sportsfreunde vom »Olympischen Organisations-Komitee« (OK) ein zwei Jahre altes Versprechen einlösen. Die Funktionäre gelobten damals, der ARD und dem ZDF die »bestmöglichen Arbeitsbedingungen« auf dem Oberwiesenfeld zu verschaffen. Das Komitee wollte Aufnahmestudios und Produktionsgebäude zur Verfügung stellen und den TV-Kameraleuten günstige Standplätze in den Arenen reservieren.
Die Zusage war recht und billig. Denn für die weltweite TV-Übertragung der 16 Spieltage. die das deutsche Fernsehen mit fast 2000 Technikern. 100 Redakteuren und 236 Film- und Elektronik-Kameras bewältigen will, müssen die Anstalten 125 Millionen Mark investieren -- allein 50 Millionen für die Versorgung ausländischer Stationen. Von den 65 Millionen Mark, die das Organisationskomitee für die Fernsehrechte kassiert (49.5 Millionen zahlt die amerikanische ABC), bekommen die westdeutschen Sender keinen Pfennig.
Deshalb waren ARD- und ZDF-Direktoren verstimmt, als Funktionäre einiger Sportverbände die 20 besten Kamera-Schußplätze in unmittelbarer Nähe der Athleten sperrten. Grund: Schwimmer, Ruderer und Radsportler fürchten, daß zudringliche TV-Teams die Wettkämpfer irritieren. Penible Kampfrichter könnten dann beispielsweise einen Kugelstoß für ungültig erklären. »wenn wir«, so Lembke, »einem dieser athletischen Nervenbündel die Kamera vor die Schnauze halten«.
Der Präsident des Internationalen Leichtathletik-Verbandes, Adrian Paulen, den US-Reporter bei den Olympia-Kämpfen in Mexiko von der Spielwiese gescheucht hatten, verlangte gar detaillierte Drehbücher von den Kamera-Einsätzen und zeichnete TV-Sperrzonen auf den Stadion-Plan. Basketballer und Hockey-Spieler weigern sich überdies. unter dem grellen Flurlicht anzutreten, das für die Farbsendungen eingeschaltet werden muß.
Doch diese vorolympischen Positionskämpfe sind nicht der Hauptgrund für den Zorn der Fernsehleute, sie sind nur vorgeschoben. Die Anstalten wollen das Münchner Abkommen vor allem deshalb nicht ratifizieren, weil das Organisations-Komitee ihnen noch Geld schuldet.
In einem zweiten Vertrag nämlich hatten die Olympia-Planer den Anstalten maximal 20 Prozent aus dem Erlös der TV-»Glücksspirale« zugesichert. Da die Olympialotterie -- wider Erwarten -- 188 Millionen Mark eingespielt hat, könnten ARD und ZDF also auf knapp 40 Millionen Mark hoffen. Doch um die endgültige Vergütungssumme feilschen die Vertragspartner noch immer. Und so lange hat es das Organisations-Komitee mit der Zahlung nicht eilig.
Eines schließlich, Lembke hat es gesagt, wissen die Sportfunktionäre genau: »Daß wir die Spiele übertragen müssen, ist doch sonnenklar.«